Neues Single Cell Centre an der Universität Konstanz

An der Universität Konstanz soll bis 2027 ein neues Single Cell Centre eingerichtet werden. Symbolbild: valeo5/stock.adobe.com

Das neue Single Cell Centre der Universität Konstanz bietet die Technologie und das Know-how, um Zellen einzeln und hochaufgelöst zu untersuchen – für Anwendungen in der medizinischen Diagnostik, Arzneimittelentwicklung und der universitären Grundlagenforschung. Bis März 2027 soll das neue Zentrum eingerichtet werden.

Das neue Zentrum vereint spezialisierte Großgeräte und Forschungsmethoden, um einzelne Zellen im Detail zu untersuchen und molekulare Unterschiede zwischen ihnen zu detektieren. Hiervon profitiert nicht nur die Konstanzer Forschung: Im Rahmen des Innovationsnetzwerks BioLAGO können rund 150 Einrichtungen im Gesundheitsverbund der Bodenseeregion auf die neue Infrastruktur zugreifen – etwa das Klinikum Konstanz, Diagnostiklabore sowie auch regionale Unternehmen.

Die Einrichtung des Zentrums wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) im Rahmen des Programms des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert. Das neue Technologiezentrum wird bis März 2027 eingerichtet.

Zellen in ihrer Einzigartigkeit verstehen

Zelle ist nicht gleich Zelle. „Was wir früher als einheitliche Zellpopulation betrachtet haben, besteht eigentlich aus unterschiedlichen Untergruppen von Zellen“, schildert Prof. Kathrin Schumann. Diese Unterschiede können bei der Erforschung komplexer Krankheitsbilder und der Entwicklung neuer Medikamente sehr relevant werden – insbesondere auf dem Weg zur personalisierten Medizin.

Das Single Cell Centre erlaubt es nun, Zellen in ihrer Einzigartigkeit unter die Lupe zu nehmen. Zellen aus Blut- und Gewebeproben können in dem Forschungszentrum separiert und einzeln untersucht werden. Dies geschieht in hoher Auflösung, so dass molekulare Strukturen und Wechselwirkungen sichtbar werden. Auf diese Weise können Proteinveränderungen in Zellen detektiert oder Reaktionen auf genetische Veränderungen untersucht werden. Zudem soll das Single Cell Centre auch zur Analyse von Pflanzen- und weiteren Tierzellen eingesetzt werden.

Ein Zentrum, drei Großgeräte

Den Kern des Single Cell Centre bilden drei wissenschaftliche Großgeräte: Ein Hochgeschwindigkeits-Zellsortierer ermöglicht die Separierung einzelner Zellen. Ein hochauflösendes Massenspektrometer und ein Spectral Analyser dienen der Analyse der Zellen in unterschiedlicher Auflösung. „Damit wird in der Bodenseeregion eine Technologieplattform verfügbar, wie sie es so bisher nicht gegeben hat“, freut sich Prof. Florian Stengel.

Das Single Cell Centre versteht sich zudem als Ausbildungsstandort für die nächste Generation von Fachkräften. Denn das Zentrum bildet nicht nur eine Schnittstelle für mehrere Sonderforschungsbereiche. Zugleich stärkt es die universitären Graduiertenschulen und Graduiertenkollegs im Bereich der Lebenswissenschaften.

„Mit der Einrichtung unseres Zentrums zur Einzelzell-Analyse entsteht in der Bodenseeregion ein zentraler Innovationsknotenpunkt. Der Zugang zu hochpräzisen Zellanalyse-Verfahren stärkt den regionalen Gesundheitsverbund und Startups im Bereich der Biotechnologie. Zugleich profitiert unser Forschungsschwerpunkt ‚Molekulare Prinzipien des Lebens‘ von den neuen apparativen Möglichkeiten des Single Cell Centre sowie auch vom Austausch mit den Partnereinrichtungen, die auf die Technologieplattform zurückgreifen“, bekräftigt Dirk Leuffen, Prorektor für Forschung, Forschungsinfrastrukturen und Transfer der Universität Konstanz.