Neues Studienergebnis zur Vakzin-induzierten immunthrombotischen Thrombozytopenie nach SARS-CoV-2-Impfung21. September 2021 Foto: ©freshidea – stock.adobe.com Im Zusammenhang mit einer Vakzin-induzierten immunthrombotischen Thrombozytopenie (VITT) nach vektorbasierter SARS-CoV-2-Impfung scheint es keine Korrelation zwischen Anti-PF4- und Anti-SARS-CoV-2-Antikörpern zu geben. Dies berichtet eine Tübinger Arbeitsgruppe in einem kürzlich veröffentlichten Letter to the Editor im „New England Journal of Medicine“. Das Forschungsteam um Prof. Tamam Bakchoul vom Zentrum für Klinische und Experimentelle Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Tübingen untersucht in mehreren Studien die Entstehung, Diagnose und mögliche Behandlungsmethoden der VITT. Diese Erkrankung ist eine seltene, aber potenziell gefährliche Nebenwirkung von vektorbasierten SARS-CoV-2-Impfstoffen. Patientinnen und Patienten mit VITT entwickeln innerhalb von bis zu sechs Wochen nach der Impfung Blutgerinnsel, oft an ungewöhnlichen Stellen wie den Venen im Gehirn oder im Bauch, und leiden gleichzeitig unter einer verminderten Anzahl von Blutplättchen. Die Tübinger Forschungsgruppe hat in vorangehenden Untersuchungen bereits gezeigt, dass die Bildung von Antikörpern gegen das Protein Plättchen-Faktor 4 (PF4) die Ursache von VITT ist. Diese Antikörper sind in der Lage, die Blutplättchen zu aktivieren, Blutgerinnsel und eine Verringerung der Blutplättchenzahl zu verursachen. Der Zusammenhang zwischen einer Impfung und der Bildung von Anti-PF4-Antikörpern ist jedoch bislang nicht geklärt. Als möglicher Grund wurde die Kreuzreaktivität zwischen Antikörpern, die nach einer Impfung gegen das SARS-CoV-2-Virus entwickelt werden und Antikörpern gegen PF4 vermutet. In der aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen der Immunantwort auf den Impfstoff und der Entwicklung von Anti-PF4-Antikörpern: Bei geimpftem medizinischen Personal (n=101) und bei Patienten (n=59) mit klinischem Verdacht auf VITT nach Impfung mit Vaxzevria (AstraZeneca) verglichen die Forschenden die Anti-PF4-Antikörper und die Antikörper gegen verschiedene immunogene Strukturen des SARS-CoV-2-Spike-Proteins (Spike-Trimer, Receptor Binding Domain, S1, S2) und gegen das Nucleocapsid-Protein. Sie fanden keine Korrelation zwischen der Menge an Anti-PF4- und Anti-SARS-CoV-2-Antikörpern in allen Gruppen. Darüber hinaus unterschieden sich die Werte der Anti-SARS-CoV-2-Antikörper nicht signifikant zwischen geimpften Personen ohne Komplikation und Patientinnen und Patienten mit VITT. Die Tübinger Forscherinnen und Forscher kommen daher zu dem Schluss, dass die Immunantwort gegen SARS-CoV-2-Proteine nicht zur Bildung von Anti-PF4-Antikörpern bei VITT führt. „Diese Studie hat zu einem besseren Verständnis des Zusammenspiels zwischen der Impfung und dem seltenen Krankheitsbild der VITT beigetragen“, heißt es vom Universitätsklinikum Tübingen. Nun sei es notwendig, die Therapieansätze für diese Krankheit weiter zu erforschen. Dazu untersucht das Tübinger Forschungsteam um Bakchoul aktuell die unterschiedlichen Wirkungen von Antikoagulantien.
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