Neues Weißbuch 3K: Trauma-Netzwerk DGU soll in nationale Leitstruktur der Verletztenversorgung integriert werden30. Juli 2026 Auschnitt aus dem Cover des “Weißbuch 3K” der DGU (Quelle: DGU) Die DGU hat der Politik ein neues Weißbuch vorgelegt als Fahrplan für krisenfeste Traumaversorgung bei Anschlägen, Katastrophen und im Bündnisfall. Die Sicherheitslage in Europa hat sich grundlegend verändert. Nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) muss Deutschland deshalb auch seine medizinische Versorgung auf Krisen und den Bündnisfall vorbereiten. Mit dem neuen Weißbuch „Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise, Krieg (3K)“ unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zeigt die Fachgesellschaft, wie sich die Versorgung Verletzter im Ernstfall unter Einbeziehung der bestehenden Strukturen der TraumaNetzwerke DGU® bundesweit koordinieren lässt. Trauma-Netzwerke weiter entwickeln und in nationale Krisensteuerung einbinden Neue Parallelstrukturen braucht es dafür aus Sicht der DGOU nicht. Stattdessen formuliert sie vier Maßnahmen an die Politik, wie sich das bewährte Netzwerk gezielt weiterentwickeln und fest in die nationale Krisensteuerung einbinden lässt. Denn dieselben Strukturen, die sich heute in der Versorgung Schwerverletzter bewähren, werden auch bei Anschlägen auf öffentliche Veranstaltungen, Naturkatastrophen, Pandemien und im Bündnisfall benötigt. „Die Trauma-Netzwerke sind schon heute das Rückgrat der Schwerverletztenversorgung in Deutschland. Im Bündnisfall können sie maßgeblich dazu beitragen, dass sowohl Kriegsverletzte als auch die zivile Bevölkerung bestmöglich versorgt werden. Diese Doppelaufgabe kann aber nur bewältigt werden, wenn die Trauma-Netzwerke fest in die Krisensteuerung eingebunden sind“, sagt DGOU- und DGU-Präsident Prof. Frank Hildebrand. „Gesundheitspolitik muss als Teil der nationalen Sicherheitsvorsorge verstanden werden. Deutschland braucht keine neuen Parallelstrukturen, sondern starke und krisenfeste TraumaNetzwerke”, ergänzt DGU-Generalsekretär Prof. Sascha Flohé. Dafür seien Investitionen in Krankenhäuser, Ausbildung, regelmäßige Übungen sowie eine verlässliche Vorbereitung auf Engpässe bei Personal, Material und Infrastruktur notwendig. Laut Flohé bietet das Trauma-Netzwerk DGU dafür bereits heute eine belastbare Grundlage. Weißbuch 3K „denkt bewährtes System weiter“ Den Grundstein dafür legte die DGU bereits vor 20 Jahren mit ihrem Weißbuch Schwerverletztenversorgung. Daraus entstanden die Trauma-Netzwerke DGU die der Fachgesellschaft zufolge heute eines der größten und am besten strukturierten Versorgungsnetzwerke für Schwerverletzte weltweit sind. Mehr als 600 zertifizierte Kliniken arbeiten in über 50 regionalen Trauma-Netzwerken zusammen. Das neue Weißbuch 3K denke das bewährte System gezielt für Katastrophen, langanhaltende Krisen und den Bündnisfall weiter, so die DGU. Wenn plötzlich sehr viele Menschen gleichzeitig verletzt werden, kommt es entscheidend darauf an, die Patientinnen und Patienten gezielt auf geeignete Kliniken zu verteilen. Das Trauma-Netzwerk DGU hat sich bei einem Massenanfall von Verletzten, etwa nach schweren Verkehrsunfällen, bereits bewährt. Statt alle Verletzten in die nächstgelegene Klinik zu bringen, werden sie dorthin gesteuert, wo die notwendige Expertise und freie Kapazitäten vorhanden sind. So lassen sich Überlastungen einzelner Krankenhäuser vermeiden und die vorhandenen Ressourcen bundesweit optimal nutzen. „Wir wissen, welche Klinik welche Kompetenzen und Kapazitäten hat. Dieses Wissen ermöglicht es, Verletzte im Ernstfall schnell und zielgerichtet zu verteilen. Bei einer Massenkarambolage müssen innerhalb kurzer Zeit viele Verletzte auf mehrere Krankenhäuser verteilt werden. Im Bündnisfall gilt dieses Prinzip für ganz Deutschland und das über Tage oder Wochen hinweg. Genau dafür brauchen wir die TraumaNetzwerke“, sagt Prof. Gerrit Matthes, Vorsitzender des Ausschusses Trauma-Netzwerk DGU (TNW). Vier zentrale Forderungen an die Politik Im Weißbuch 3K zeigt die Fachgesellschaft, wie die bestehenden Trauma-Netzwerke DGU gezielt weiterentwickelt werden können und formuliert vier zentrale Maßnahmen für die Politik: bestehende Trauma-Netzwerke in die nationale Verteilungsstruktur einbinden, damit Verletzte auch im Krisen- und Bündnisfall schnell in die richtige Klinik gelangen. medizinisches Personal gezielt qualifizieren und regelmäßig trainieren, um auf außergewöhnliche Schadenslagen vorbereitet zu sein Krankenhäuser durch Materialreserven, sichere Lieferketten und einer verlässlichen Finanzierung krisenfest machen ein Gesundheitssicherstellungsgesetz schaffen, das klare Zuständigkeiten und Rechtssicherheit für die medizinische Versorgung im Ernstfall gewährleistet. Leuchtturmprojekt für die Traumaversorgung und Vorbild für andere Länder Die Versorgung Schwerverletzter im Krisen-, Katastrophen- und Bündnisfall kann nur interdisziplinär und multiprofessionell gelingen. Deshalb wurde das Weißbuch gemeinsam mit dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr und weiteren medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet. Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus, Kommandeur des Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr sagt: „Gelingt die Umsetzung der im Weißbuch vorgeschlagenen Konzepte und Strukturen, entsteht ein Leuchtturmprojekt für eine qualitativ hochwertige, flächendeckende Traumaversorgung, die auch in Krisenzeiten funktioniert und trägt. Dieses Modell kann weit über die Landesgrenzen hinaus als Vorbild für viele europäische Staaten dienen.“ Orthoplastische Kompetenzzentren in jedem Traum-Netzwerk geplant Ein Beispiel für diesen interdisziplinären Ansatz sind die ersten seit Juni 2026 zertifizierten orthoplastischen Kompetenzzentren Deutschlands. Dort arbeiten Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Plastische und Rekonstruktive Chirurgie eng zusammen, um komplexe Explosions- und Mehrfachverletzungen bestmöglich zu versorgen. Langfristig soll jedes TraumaNetzwerk DGU® über mindestens ein solches Zentrum verfügen. „Resilienz des Gesundheitswesens ist eine staatliche Verpflichtung. Sie entsteht nicht erst im Ernstfall, sie muss jetzt vorbereitet werden. Wer die medizinische Versorgung der Bevölkerung auch in Krisen und im Bündnisfall sichern will, muss heute die richtigen politischen Entscheidungen treffen. Mit dem Weißbuch legen wir für die Verletztenversorgung dafür konkrete und praxiserprobte Vorschläge vor”, so Hildebrand. Weitere Informationen:1) Das Weißbuch „Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise und Krieg (3K)“ steht hier zum Download bereit. 2) Video: Die wichtigsten Fragen zum Weißbuch 3KWas bedeutet das Weißbuch für die medizinische Versorgung im Bündnisfall? Welche Rolle spielen die TraumaNetzwerke DGU®? Und welche politischen Weichenstellungen sind jetzt notwendig? DGU-Generalsekretär Prof. Sascha Flohé beantwortet die wichtigsten Fragen im YouTube-Video. 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