Neues „WHO-Kollaborationszentrum für neuartige Diagnostika für Infektionskrankheiten“ in Heidelberg

Bei Infektionskrankheiten spielt eine schnelle und präzise Diagnostik eine besonders wichtige Rolle. Symbolbild: Moopingz/stock.adobe.com

Die Abteilung „Infektions- und Tropenmedizin“ am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg ist von der WHO zum „WHO-Kollaborationszentrum für neuartige Diagnostika für Infektionskrankheiten“ ernannt worden.

Im Rahmen der Kooperation unterstützt die Abteilung die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei einem ihrer grundlegenden Ziele: der weltweiten Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Die Leitung des Kollaborationszentrums liegt bei Prof. Claudia Denkinger, Ärztliche Direktorin der Abteilung „Infektions- und Tropenmedizin“ am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD), sowie der Molekularbiologin Dr. Seda Yerlikaya, Gruppenleiterin in der Abteilung „Infektions- und Tropenmedizin“.

Die Ernennung erfolgte durch den Generalsekretär der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, und wurde durch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken als Vertreterin der Bundesregierung bestätigt.

Etabliertes Kooperationsmodell

WHO-Kollaborationszentren haben die Aufgabe, die WHO in ihren internationalen Gesundheitsprogrammen strategisch zu begleiten und voranzubringen. Neue Zentren werden zunächst für einen Zeitraum von vier Jahren ernannt, anschließend kann die Kollaboration mehrfach verlängert werden. Hintergrund des Kooperationsmodells ist, dass die WHO selbst keine Forschungsstätten betreibt. Stattdessen greift sie auf die Expertise weltweit führender Einrichtungen der Gesundheitsforschung zurück. Die Maßnahmen, die das Kollaborationszentrum für die WHO koordiniert, bearbeitet und erfüllt, werden im Vorfeld schriftlich vereinbart.

Weltweit hat die WHO bis März 2026 mehr als 800 Kollaborationszentren zu vielfältigen Themen wie „Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit“, „Entwicklung der Geburtshilfe“ oder „Standardisierung und Bewertung von Impfstoffen“ ernannt. Das Heidelberger „WHO-Kollaborationszentrum für neuartige Diagnostika für Infektionskrankheiten“ ist das 32. Kollaborationszentrum in Deutschland.

Drei konkrete Aufgaben im Bereich Diagnostik

Für das neue „WHO-Kollaborationszentrum für neuartige Diagnostika für Infektionskrankheiten“ („WHO Collaborating Center on Novel Diagnostics for Infectious Diseases“) haben die beiden Projektleiterinnen gemeinsam mit der WHO drei Aufgabenbereiche definiert:

1.) Das Kollaborationszentrum bewertet und fördert, inwiefern Tests, die Medizinerinnen und Mediziner zur Diagnose von Infektionskrankheiten benötigen, weltweit verfügbar, zugänglich, bezahlbar und wirksam sind.

2.) Das Zentrum führt neue Studien zur Diagnostik von Infektionskrankheiten durch, wertet aber auch vorhandene Evidenz aus. Für zukünftige diagnostische Studien unterstützt es die Entwicklung von Leitlinien und Zielproduktprofilen, die definieren, welche Eigenschaften neue Diagnose-Instrumente haben sollten.

3.) Das Kollaborationszentrum unterstützt die WHO dabei, die Entwicklung und Verfügbarkeit neuer diagnostischer Tests für Infektionskrankheiten systematisch zu beobachten und zu begleiten.

Ein „Gütesiegel“ für den Forschungsstandort Heidelberg

Im Rahmen dieser Vereinbarung führen Prof. Denkinger, Dr. Yerlikaya und ihr Team unter anderem eine Evidenzsynthese zur Lungentuberkulose-Diagnostik durch. Sie fassen also vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse zu den verfügbaren Testmöglichkeiten auf Tuberkulose zusammen und bewerten sie. Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit fließen in neue Leitlinien der WHO ein. 2025 starben etwa 1,23 Millionen Menschen an Tuberkulose, was sie zur weltweit tödlichsten Infektionskrankheit macht.

Weitere Projekte des Kollaborationszentrums betreffen andere Erkrankungen. So entwickelt das Team in Zusammenarbeit mit der WHO ein Protokoll für die Überprüfung der Verlässlichkeit neuer diagnostischer Tests, die in der Frühphase einer neuen Pandemie eingesetzt werden sollen.

„Die Ernennung zum WHO-Kollaborationszentrum ist ein Gütesiegel für die exzellente und international relevante Forschungsarbeit an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. Wir haben über Jahre hinweg einen guten Kontakt zur WHO aufgebaut und die Organisation immer wieder mit unserer Expertise unterstützt“, betont Denkinger. „Dass dieses Engagement nun in der Kollaboration mündet, ist für mich und meine Kolleginnen und Kollegen Bestätigung und Ansporn zugleich.“

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