Neugier statt Nachahmung: Welpen überimitieren (noch) nicht

Foto: © Karoline Gerwisch/Vetmeduni

Welpen imitieren irrelevante Handlungen ‒ im Gegensatz zu adulten Hunden ‒ nicht. Dieses Ergebnis einer neuen Studie des Messerli Forschungsinstituts der Vetmeduni Wien stützt damit die Annahme, dass die sogenannte Überimitation mit der Qualität der Beziehung zur demonstrierenden Person zusammenhängt.

Untersucht wurden 54 sechs bis acht Wochen alte Hundewelpen. Die Tiere lebten noch bei ihren Züchterinnen und Züchtern mit Mutter und Wurfgeschwistern – also vor der Adoption und wahrscheinlich noch bevor eine enge Mensch-Hund-Bindung zu einer Bezugsperson entsteht.

Getestet wurde mit demselben erprobten Paradigma wie in Studien mit erwachsenen Hunden. Zwei farbige Punkte an der Wand galten als irrelevante Handlung, das Öffnen eines mit Leckerli präparierten Kübels als relevante Handlung. Zunächst erkundeten die Welpen ohne Hinweise den Raum. Anschließend sahen sie zu, wie die Züchterin beide Punkte mit der Nase berührte und den Kübel öffnete, bevor sie selbst an der Reihe waren.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das frühe Punkt-Berühren bei Hundewelpen vor allem explorativ ist – nicht das genaue Kopieren der gezeigten, irrelevanten Handlungen“, sagt Karoline Gerwisch. Sie ist Studien-Erstautorin und PhD-Studentin am Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni. „Präziseres Kopieren könnte erst mit einer stärkeren Bindung an die Bezugsperson entstehen“.

Frühe Neugier statt Überimitation

Im Test berührten einige Welpen ebenfalls einen Punkt, andere holten sich nur die Belohnung. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Punkt-Berühren zwischen Welpen und erwachsenen Hunden. Zugleich unterschieden sich Welpen in der Kontrollbedingung ohne Demonstration nicht von ihren Testdurchgängen. Das spricht dafür, dass die Punkte ohnehin neugierig erkundet werden und nicht gezielt imitiert werden.

Ein auffälliges Detail: Anders als erwachsene Hunde nach einer Demonstration berührten Welpen niemals beide Punkte. Adulte Hunde zeigen hier eine höhere Genauigkeit im Kopieren irrelevanter Schritte. Zudem öffneten Welpen die relevante Kübel-Aufgabe etwas häufiger als erwachsene Tiere. Wahrscheinlich, weil sie noch nicht darauf trainiert sind, sich bei Futter zurückzuhalten. Unabhängig von der gezeigten Technik nutzten sowohl Welpen als auch erwachsene Hunde fast immer die Nase statt die Pfote zum Öffnen.

Das deckt sich mit früheren Befunden und spricht dafür, dass bei der relevanten Aufgabe eher das Ergebnis als die genaue Bewegung kopiert wird.

Bindung als Schlüssel

Die Studie stützt damit die Annahme, dass die sogenannte Überimitation – das genaue Kopieren auch irrelevanter Handlungen – mit der Qualität der Beziehung zur demonstrierenden Person zusammenhängt und mit der Entwicklung dieser Bindung zunehmen könnte.

Erwachsene Hunde kopieren die irrelevanten Schritte ihrer Bezugsperson nachweislich genauer als die eines fremden Menschen. Welpen im frühen Alter zeigen dieses präzise Kopieren noch nicht. „Wir sehen hier einen wichtigen ontogenetischen Baustein: Sensibilität für Menschen ist bei Hunden zwar früh vorhanden, aber die Bereitschaft zur präzisen Überimitation dürfte durch Erfahrungen im engen Mensch-Hund-Zusammenleben und eine gewachsene Bindung verstärkt werden“, so Gerwisch.