Neurogenese: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Das Protein Phf21b hat entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns. (Graphik: ©Queen’s University Belfast)

Ein Forschungsteam unter der Leitung der Queen’s University Belfast hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Regenerative Therapien Dresden in Deutschland herausgefunden, wie ein Protein dafür sorgt, dass während der Gehirnentwicklung Neuronen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gebildet werden.

Die Gehirnentwicklung ist ein hochkomplexer Prozess, bei dem verschiedene Arten von Zellen zu bestimmten Zeitpunkten und an bestimmten Orten während der Embryonalentwicklung gebildet werden. Es ist bekannt, dass jede Art von Störung während dieser Prozesse Krankheiten verursachen kann.

Wie die Forscher nun zeigten, signalisiert das Vorhandensein eines bestimmten Proteins (genannt Phf21b) innerhalb eines definierten Zeitfensters der Gehirnentwicklung und an einem bestimmten Ort im Gehirn die Neurogenese aus neuralen Stammzellen am richtigen Ort und zur richtigen Zeit.

Die Entfernung des Proteins Phf21b stoppte die Produktion von Neuronen aus neuralen Stammzellen und führte zu schweren Defekten in der Gehirnentwicklung. Weiterhin wiesen die Forscher die Bedeutung des Proteins, insbesondere bei der Faltung der DNA in Zellen, die Neuronen bilden, nach.

Dr. Vijay Tiwari, Leser am Wellcome-Wolfson-Institut für experimentelle Medizin an der Queen’s University Belfast und korrespondierender Autor der Studie, sagte: “Unsere Studie zeigt die Schlüsselrolle auf, die dieses Protein bei der Bildung einer der wahrscheinlich wichtigsten Zellen unseres Körpers – des Neurons – spielt.“

“Zu verstehen, wie ein Zelltyp im Gehirn zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort während der Entwicklung gebildet wird, ist entscheidend für unser Verständnis, wie es im späteren Leben zu neurologischen Problemen kommt. Wir hoffen, dass diese Entdeckung den Weg für eine frühere Diagnose, frühere Interventionen und eine bessere Behandlung von Menschen mit neuropsychiatrischen Erkrankungen ebnen wird”.

Originalpublikation:
Genes & Development, 20. August 2020