Neutralisierende Antikörper im Kampf gegen COVID-198. Juli 2020 Das Kölner Team (von links): Florian Klein, Matthias Zehner und Christoph Kreer. (Foto: © Dorothea Hensen/Uniklinik Köln) Eine wichtige Verteidigungslinie im Kampf gegen SARS-CoV-2 ist die Bildung neutralisierender Antikörper. Diese können die Eindringlinge ausschalten und haben ein großes Potenzial, zum Schutz und zur Therapie von COVID-19 effektiv eingesetzt zu werden. Dem Forscherteam um Univ.-Prof. Florian Klein von der Uniklinik Köln und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ist es nun gelungen, Teile der Entwicklung dieser Antikörper zu entschlüsseln und gleichzeitig hochpotente neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 zu isolieren. Die Antikörper werden aktuell zusammen mit Boehringer Ingelheim weiter charakterisiert und entwickelt und sollen möglichst noch in diesem Jahr in klinischen Studien untersucht werden. „Unser Ziel war es, die Immunantwort gegen SARS-CoV-2 besser zu verstehen und gleichzeitig hochpotente Antikörper zu identifizieren, die als Medikament für eine passive Immunisierung oder zur Therapie von COVID-19 eingesetzt werden können“, erklärt Klein, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Köln und Projektleiter im DZIF. „Wir gehen davon aus, dass solche Antikörper über mehrere Wochen wirksam sind und in dieser Zeit vor einer Erkrankung schützen könnten“ ergänzt Dr. Christoph Kreer, der zusammen mit Dr. Matthias Zehner die Arbeiten in Köln durchgeführt hat. In enger Kooperation mit Wissenschaftlern aus Marburg, Frankfurt, München, Tübingen und Israel haben die Forscher im Blut von zwölf genesenen COVID-19 Patienten gezielt nach Antikörpern gegen SARS-CoV-2 gesucht. Zu diesem Zweck wurden über 4000 SARS-CoV-2-spezifische B-Zellen aus dem Blut der Genesenen auf Einzelzellebene untersucht und somit die Antikörperbildung in Teilen entschlüsselt. In der Folge wurden 255 Antikörper im Labor nachgebaut und durch die Gruppe von Prof. Stephan Becker in Marburg auf ihre Neutralisationsaktivität gegen SARS-CoV-2 untersucht. Insgesamt fanden die Wissenschaftler 28 Antikörper, die SARS-CoV-2 effektiv neutralisieren konnten. „Eine Besonderheit an den hier gefundenen neutralisierenden Antikörpern ist, dass sie kaum Anzeichen eines längeren Reifungsprozesses aufweisen. Das heißt, sie mussten sich nur wenig anpassen, um das Virus effektiv erkennen und neutralisieren zu können“ erklärt Zehner. Tatsächlich konnten die Wissenschaftler in Blutspenden, die vor der Pandemie isoliert wurden, B-Zellen identifizieren, welche schon sehr ähnliche Vorstufen für SARS-CoV-2-neutralisierende Antikörper aufwiesen. Dies lässt vermuten, dass SARS-CoV-2-neutralisierende Antikörper rasch vom Immunsystem, zum Beispiel in Folge einer aktiven Immunisierung, gebildet werden können und gibt Hoffnung, dass ein aktiver Impfstoff in der breiten Bevölkerung einen schnellen Schutz bieten könnte. Die entwickelten Antikörper könnten sowohl zum Schutz vor einer Infektion als auch zur Therapie bei COVID-19 eingesetzt werden. Zudem ist ein Einsatz zur Postexpositionsprophylaxe vorstellbar. Hier wird der Antikörper Personen verabreicht, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sind, aber noch nicht erkrankt sind. „Gerade um lokalisierte Ausbrüche zu stoppen und schwere Krankheitsverläufe zu verhindern, zum Beispiel bei Risikopersonen, ist diese Form des Einsatzes von besonderer Bedeutung“, so Klein. Die Wissenschaftler planen daher bereits die ersten klinischen Prüfungen, die voraussichtlich Ende 2020 starten können. „Wir hoffen, dass die klinische Erprobung gute Ergebnisse zeigt und wir dann rasch mit der klinischen Prüfung fortfahren können. Wir haben bereits Erfahrung mit dem Einsatz von Antikörpern zur Behandlung von Infektionskrankheiten“, so Klein weiter, „und sind zuversichtlich, dass auch bei COVID-19 immunologische Prinzipien effektiv gegen das Virus eingesetzt werden können.”
Mehr erfahren zu: "Ethanol in Desinfektionsmitteln: ECHA weist CMR-Bedenken zurück" Ethanol in Desinfektionsmitteln: ECHA weist CMR-Bedenken zurück Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) begrüßt die Entscheidung der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), Ethanol nicht als CMR-Stoff – krebserregend, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend – einzustufen.
Mehr erfahren zu: "Immer mehr Ärzte kommen aus dem Ausland" Immer mehr Ärzte kommen aus dem Ausland Jeder achte Mediziner hat keinen deutschen Pass, jeder vierte ist ein Zuwanderer. Der Anteil an Ärzten aus dem Ausland an der Ärzteschaft wächst zwar stark – aber immer noch nicht […]
Mehr erfahren zu: "Koalition ringt um Nachbesserungen an Klinikreform" Koalition ringt um Nachbesserungen an Klinikreform Die schon besiegelte Neuaufstellung der Krankenhäuser soll an einigen Stellen geändert werden. Wann klappt der Durchbruch für die Klinikreform?