Neutrophile als frühe Akteure der Atopischen Dermatitis

Atopische Dermatitis
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​Eine experimentelle Studie an Hunden mit Atopischer Dermatitis belegt eine frühe, zeitlich begrenzte neutrophile Immunantwort nach Allergenexposition – ein möglicher Schlüssel zum besseren Verständnis früher entzündlicher AD-Mechanismen.

​​„Wir sind auf eine frühere Studie gestoßen, die in einem Mausmodell einen Zusammenhang zwischen Neutrophilen und AD zeigen konnte, sodass wir diese Befunde in einem kaninen Modell weiterverfolgen wollten“, so der korrespondierende Autor der Studie Santosh Mishra von der North Carolina State University (USA). Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in „Frontiers in Allergy“.

Zeitlicher Verlauf der neutrophilen Infiltration

​Die Forschenden verglichen Hautproben von vier Hunden mit durch Hausstaubmilben induzierter AD mit Proben von fünf gesunden Kontrollhunden. Sie setzten Immunfluoreszenzfärbungen ein, um die neutrophile Antwort in den AD‑Proben zu den Zeitpunkten 24, 48 und 96 Stunden nach Allergenexposition zu quantifizieren.

​Dabei zeigte sich, dass Neutrophile frühzeitig am Ort der allergischen Reaktion auftreten, ihren Gipfel ungefähr nach 48 Stunden erreichen und bis zum 96‑Stunden‑Zeitpunkt wieder deutlich abnehmen.

​„Die Hauptaufgabe von Neutrophilen im Immunsystem besteht darin, Fremdmaterial zu eliminieren“, erklärt Mishra. „Sie setzen Mediatoren frei, die weitere Zellen an den Entzündungsort rekrutieren und so die Immunantwort entweder abschwächen oder verstärken; derzeit wissen wir nicht, ob sie vorrangig andere Immunzelltypen anlocken oder primär Pathogene beseitigen – möglich ist beides –, aber nach 48 Stunden erreichen sie ihre maximale Aktivität.“

​Die Forschenden hoffen, dass diese Arbeit den Weg für detailliertere Untersuchungen zur Rolle der Neutrophilen während eines gesamten AD‑Schubes und zu ihrem Zusammenspiel mit anderen an der allergischen Reaktion beteiligten Immunzellen ebnen wird.

Perspektiven für die Humanmedizin

​„Die Haut ist ein komplexes Organ“, ergänzt Mishra. Dass Neutrophile an der allergischen Reaktion bei AD beteiligt sind, sei bis vor Kurzem nicht bekannt gewesen. Nun stünde ein weiterer potenzieller Signalweg zur Verfügung, der im Hinblick auf neue therapeutische Ansätze näher untersucht werden könne.

​„Es bestehen zudem wichtige translationale Aspekte“, führt Mishra weiter aus. „Hunde teilen unsere Umwelt, und viele unserer Krankheitsprozesse ähneln sich; ein besseres Verständnis der Pathophysiologie der Atopischen Dermatitis beim Hund wird daher sowohl bei Hunden als auch bei Menschen zu verbesserten Behandlungsergebnissen führen.“ (ins)