Die Neuvermessung der Onkologie18. Juni 2018 Dr. Georg Ralle, Generalsekretär des „Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.“ und Mit-Organisator des Symposiums „Die Neuvermessung der Onkologie“. Foto: © Netzwerk gegen Darmkrebs Am 22. Juni 2018 findet in Berlin das Symposium “Die Neuvermessung der Onkologie” statt. Im Interview spricht Dr. Georg Ralle, Generalsekretär des „Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.“ und Mit-Organisator des Symposiums „Die Neuvermessung der Onkologie“ über Intention und Ziele der Veranstaltung. Die Symposiumsreihe „Innovations in Oncology“ findet nun schon zum vierten Mal statt. Worum geht es bei der Veranstaltungsreihe und was ist das Ziel? Dr. Ralle: Die Idee der Symposiumsreihe ist, Forscher, Ärzte und Gesundheitspolitiker aus der onkologischen Wissenschaft und Forschung an einen Tisch zu holen. Wir wollten eine Plattform schaffen, um über die neusten Erkenntnisse zu Prävention, Früherkennung und Diagnostik des kolorektalen Karzinoms zu berichten. Darüber hinaus sollte auch der interdisziplinäre Austausch gestärkt und der wissenschaftliche Fortschritt gefördert werden. Das diesjährige Symposium ist eine Fortführung der Reihe und richtet den Blick vor allem auf die Versorgungslandschaft und auf die Frage, wie die neuesten Forschungsergebnisse schneller im klinischen Alltag und damit beim Patienten ankommen. Bisher fanden die Symposien immer im Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ in Heidelberg statt. Was hat Sie dazu bewogen die Veranstaltung nach Berlin zu verlegen? Dr. Ralle: Heidelberg ist einer der bedeutendsten Standorte für die Krebsforschung, nicht nur in Deutschland. Der Veranstaltungsort hätte daher in den letzten Jahren nicht besser sein können. Doch die Erfahrung zeigt, dass in dem Moment, wo Sie den Dialog mit wichtigen Playern aus dem Gesundheitswesen führen möchten, die Distanz zwischen Heidelberg und Berlin einfach zu groß ist. Schließlich sind die wichtigsten Entscheidungsträger der Gesundheitspolitik in Berlin zu finden. Um also den Dialog zwischen unterschiedlichen Akteuren des Gesundheitswesens zu ermöglichen und insbesondere politische Kompetenz- und Entscheidungsträger miteinzubeziehen, haben wir uns entschlossen, das Symposium nach Berlin zu verlegen. Nun werden die Wege zu unserem Symposium wesentlich kürzer, weshalb wir uns einen anregenden Austausch unter interdisziplinären Akteuren erhoffen. Das aktuelle Symposium trägt den Titel „Die Neuvermessung der Onkologie. Mehr Einsatz – mehr Qualität – mehr Erfolg“. Wie kam es zu dem Titel und was darf man sich darunter vorstellen? Dr. Ralle: Bei der Diskussion über die Konzeption unseres aktuellen Symposiums wurde uns bewusst, dass die öffentliche Debatte zur Onkologie hierzulande sehr häufig auf die Kosten neuer Medikamente sowie die Finanzierbarkeit des Fortschritts fokussiert ist. Der Betrachtung der Innovation an sich wird dabei nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei haben wir gerade in der Onkologie in den letzten Jahren enorm viel erreicht – die Krebsmedizin hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren grundlegend verändert. Die Strategie ist, weg von einer unspezifischen, organbezogenen und standardisierten Chemotherapie, hin zu individualisierten, auf hochpräziser personalisierter Diagnostik beruhenden innovativen Therapiekonzepten. Wir wollen erreichen, dass bei der Bemessung und Bewertung des Fortschritts nicht nur die Kosten im Fokus stehen, sondern dem konkreten Benefit für den Patienten und seiner Lebensqualität die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. In diesem Sinne möchten wir mit unserem Symposium einen Beitrag zur „Neuvermessung der Onkologie“ leisten, indem wir tradierte Verteilmuster hinterfragen, die sich im Verlauf der letzten Jahre entwickelt haben. Welche Themen gilt es in diesem Zusammenhang Ihrer Meinung nach zu diskutieren? Dr. Ralle: Ich bin davon überzeugt, dass es wirkliche Fortschritte nur dann gibt, wenn man den Mut hat, neue Wege zu gehen und dabei die bestehenden Strukturen zu hinterfragen. Für die Gesundheitsversorgung gilt dies unter der Prämisse, den konkreten Nutzen für den Patienten an die erste Stelle zu setzen. Dies sage ich besonders mit Blick auf die Krebsprävention. So bedarf das Präventionsgesetz dringend der Novellierung, da der Krebsprävention darin viel zu wenig Raum eingeräumt wird. Es gilt Anreize zu schaffen, um deutlich mehr Menschen als bisher zur Krebsvorsorge zu motivieren. Insbesondere betrifft dies das Thema „Strukturiertes Einladungsverfahren zur Darmkrebsvorsorge“, aber auch Themen wie die „Erhöhung der Teilnehmerzahl bei den Vorsorgeimpfungen gegen HPV (Cervix-CA)“. Wir brauchen dringend Konzepte und Maßnahmen, die auch die breite Masse erreichen, denn punktuelle Aktionen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA sind leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Last, but not least, müssen wir es gemeinsam schaffen, dass Innovationen in Diagnostik und Therapie schneller im klinischen Alltag und damit auch beim Patienten ankommen. Ein weiterer Diskussionspunkt bei unserem Symposium ist das Thema IT. Statt ständig über „Datenschutz“ zu diskutieren, müssen wir intensiver über „Datenschatz“ sprechen. Durch die Erhebung und sinnvolle Strukturierung einer Vielzahl von Patientendaten können künftig Therapien im Sinne einer „Wissen generierenden onkologischen Versorgung“ sowohl signifikant verbessert als auch erfolgreicher gestaltet werden. In diesem Sinne sei noch einmal an das Motto unseres Symposiums erinnert „Die Neuvermessung der Onkologie: Wie human eine Gesellschaft wirklich ist, lässt sich am besten daran ablesen, welche Zuwendung sie den kranken Menschen in ihrer Mitte zukommen lässt.
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