NEVAS erfolgreich als Neurovaskuläres Netzwerk rezertifiziert

Logo des Neurovaskulären Netzwerkes Südwestbayern. (Quelle: NEVAS)

Das Neurovaskuläre Netzwerk Südwestbayern NEVAS ist erneut als Schlaganfall-Netzwerk nach den Kriterien der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zertifiziert worden.

Das Neurovaskuläre Netzwerk NEVAS mit seinem Koordinationszentrum am LMU Klinikum stellt eine optimale Akutbehandlung für Schlaganfallpatienten im Versorgungsbereich Südwestbayern sicher. Jetzt wurde NEVAS erfolgreich gemäß den Richtlinien der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft als Neurovaskuläres Netzwerk rezertifiziert, die Erstzertifizierung war im Jahr 2018 erfolgt. Damit wurden die Strukturen von unabhängigen Fachauditoren in ihrer Qualität bestätigt.

Bei der Schlaganfallbehandlung ist nicht nur die Qualität, sondern auch der Zeitpunkt ihres Beginns entscheidend: Je rascher eine sichere Diagnostik und Therapieentscheidung erfolgt, desto größer ist die Chance auf eine Genesung ohne bleibende Behinderungen. „Zeit ist Hirn“ ist deshalb der Leitgedanke des Neurovaskulären Netzwerks Südwestbayern, kurz NEVAS, das im Versorgungsbereich Südwestbayern die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten organisiert, um so flächendeckend beste Voraussetzungen für ihre Behandlung zu schaffen – vor allem in ländlichen Gebieten ohne Schlaganfallzentren.

„Auf diese Weise werden auch Regionen in die schnellstmögliche, leitliniengerechte Notfallversorgung eingebunden, die keine eigene neurologische oder neuroradiologische Fachabteilung vorhalten können“, sagt Prof. Jan Rémi von der Klinik für Neurologie und Ärztlicher Koordinator von NEVAS am LMU Klinikum München-Großhadern. Durch die Möglichkeiten der Telemedizin können die Schlaganfallexperten aus den NEVAS-Zentrumskliniken (das sind das LMU-Klinikum, das Bezirkskrankenhaus Günzburg und das Klinikum Ingolstadt) Patienten in den 16 Kooperationskliniken so mitbehandeln, als wären sie direkt vor Ort: Telemedizin erlaubt einen direkten und zeitnahen Austausch über alle notwendigen Untersuchungen, die Befunde und die sich daraus ergebenden Behandlungsoptionen. Im telemedizinischen Konsil wird zudem geklärt, ob der Patient/die Patientin für eine Spezialbehandlung in ein geeignetes Zentrum verlegt werden muss.

Mit der erfolgreichen Zertifizierung gemäß den Kriterien der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie wurde die hohe, fachgesellschaftlich fundierte Qualität von NEVAS erneut von unabhängigen Auditoren bestätigt. Die Erst-Zertifizierung nach diesen Kriterien war 2018 erfolgt. Dabei würdigten die Auditoren insbesondere die gute Zusammenarbeit von Zentrums- und Kooperationskliniken. Laut Prof. Marianne Dieterich, Leiterin der Neurologischen Klinik, „bestätigt die Zertifizierung unsere alltägliche Arbeit mit Schlaganfallpatient:innen, den Aufbau der Strukturen und die Bemühungen um kontinuierliche weitere Verbesserungen.“

NEVAS – umgehendes Expertenwissen in Südwestbayern

Zum Versorgungsbereich von NEVAS gehören das LMU Klinikum München-Großhadern als Projektzentrum sowie das Bezirkskrankenhaus Günzburg und das Klinikum Ingolstadt. In allen drei Zentrumskliniken der neurovaskulären Maximalversorgung stehen Spezialisten der Neurologie, der Neuroradiologie und der Neurochirurgie rund um die Uhr zur Verfügung. Pro Landkreis ist eine Klinik als NEVAS Kooperationsklinik definiert, die in der Region als schnellstmögliche Anlaufstelle für Patienten mit Verdacht auf einen akuten Schlaganfall dient. Für die Kooperation haben die Kliniken über Verträge verbindliche Standards für die Behandlung von Patienten vereinbart, die wegen eines Schlaganfalls und anderen neurovaskulären Erkrankungen einer spezialisierten Therapie bedürfen.

Rémi von der Klinik für Neurologie und Ärztlicher Koordinator von NEVAS am LMU Klinikum München-Großhadern betont: „Wir versorgen insgesamt circa 10.000 Schlaganfälle pro Jahr, während Corona hatten wir nur einen leichten Rückgang bei den TIAs. Die Netzwerkstrukturen waren dabei weniger betroffen als Einzelkliniken. Wir haben noch enger zusammengearbeitet und die Netzwerkstrukturen genutzt, um Kliniken, die sehr stark von Corona betroffen waren, zu entlasten. Besonders im Bereich der Thrombektomien, also dem spezialisierten Eingriff der Neuroradiologen, der nur in Zentren vorgehalten wird, haben wir uns auf 732 Fälle im Jahr 2021 gesteigert.“ Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren es laut Rémi noch 181 Fälle gewesen.