|
Liebe Leserinnen und Leser,
anlässlich des Parkinson-Tags am 11. April lohnt sich ein Blick auf die kleinen Veränderungen im Alltag, die oft den größten Unterschied machen, auch wenn wir sie oft als lästig empfinden. Immer mehr Studien zeigen, welchen Einfluss der Lebensstil auf Morbus Parkinson hat. Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und guter Schlaf können nicht nur das Erkrankungsrisiko senken, sondern auch den Verlauf positiv beeinflussen. Eine ungünstige Ernährung kann etwa das Darmmikrobiom verändern, die Darmbarriere schwächen und so die Freisetzung entzündlicher Botenstoffe in die Blutbahn begünstigen – ein Prozess, dem sich gezielt entgegenwirken lässt. Bewegung wiederum fördert die Ausschüttung von Myokinen, die unter anderem die Neurogenese unterstützen und das Immunsystem stärken. Vielleicht also tatsächlich mal wieder Zeit, das Fahrrad aus der Garage zu holen und beim Grillen eine gute Portion Salat einzuplanen?
Doch auch an neuen medikamentösen Ansätzen gegen Parkinson wird weltweit geforscht. Besonders erfreulich ist, dass sich der Fokus zunehmend darauf richtet, die Neurodegeneration zu verlangsamen, statt nur Symptome zu behandeln. Passive Immuntherapien mit Antikörpern könnten insbesondere im frühen Erkrankungsstadium einen Nutzen zeigen. Auch aktive Immunisierungsstrategien in Form von Impfungen scheinen Biomarker und motorische Fähigkeiten positiv zu beeinflussen. Bei GLP-1-Rezeptoragonisten sind die Ergebnisse bislang uneinheitlich, doch auch hier läuft bereits die nächste Studie. Insgesamt dürften die kommenden Jahre zu den spannendsten in der Entwicklung von Parkinsonmedikamenten zählen.
Zum Schluss möchte ich Ihnen ein gemeinsames Positionspapier internationaler Fachgesellschaften zur Wirksamkeit der Elektrokonvulsionstherapie (EKT) vorstellen, das in der Fachzeitschrift „Lancet Psychiatry“ veröffentlicht wurde. Die Autoren üben deutliche Kritik an aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zum Einsatz der EKT. Sie betonen die belegte Wirksamkeit bei schweren depressiven Episoden, bipolaren Störungen, Schizophrenien und Katatonie und warnen davor, Nutzen und Risiken verzerrt darzustellen und den Einsatz unnötig einzuschränken. Bleiben wir gespannt, wie sich die Debatte weiterentwickelt.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und eine angenehme kurze Woche!
|