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Liebe Leserinnen und Leser,
Speichel als Schlüssel zu neurologischer Diagnostik? Das könnte schon bald Wirklichkeit werden, denn eine neue Methode aus Korea kann neurologische Erkrankungen anhand eines einzigen Tropfens Speichel erkennen. Mithilfe hochsensitiver Raman-Spektroskopie lassen sich strukturelle Veränderungen fehlgefalteter Proteine nachweisen, was in einer ersten Studie die Klassifikation verschiedener Erkrankungen mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent ermöglichte. Bis zur klinischen Routine dauert es zwar noch, doch langfristig könnte ein solcher Ansatz eine spannende Alternative zu Liquorpunktion und Bildgebungsverfahren sein.
Auch in der Therapie seltener und bislang kaum behandelbarer Erkrankungen gibt es Fortschritte: Ein internationales Team entdeckte Sildenafil – bislang eher für seinen Einsatz bei gewissen Fehlfunktionen bekannt – als möglichen Kandidaten zur Behandlung des Leigh-Syndroms. In patientenspezifischen Nervenzellen, Hirnorganoiden und Tiermodellen verbesserte der Wirkstoff den Energiestoffwechsel und stabilisierte die Zellfunktion. Erste Heilversuche bei sechs Patientinnen und Patienten verliefen vielversprechend und zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in Drug Repurposing steckt.
Und schließlich dürfen Alzheimer-Patientinnen und -Patienten wieder Hoffnung schöpfen: Trotz der kritischen Bewertung durch den G-BA empfiehlt die aktualisierte S3-Leitlinie Demenzen erstmals den Einsatz der Antikörper Lecanemab und Donanemab in frühen Stadien. Damit rückt eine Therapie in greifbare Nähe, die direkt an der Krankheitsbiologie ansetzt, statt lediglich Symptome zu lindern. Gleichzeitig bleiben bisher praktische Fragen offen – von der Patientenselektion über die Versorgung in spezialisierten Zentren bis hin zur Kostenübernahme.
Es bleibt also spannend zu beobachten, welche dieser Entwicklungen tatsächlich den Sprung aus Forschung und Empfehlung erfolgreich in den neurologischen Alltag schaffen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!
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