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Liebe Leserinnen und Leser aus der Anästhesiologie und Intensivmedizin,
nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll. Besonders die intensivmedizinische Versorgung wirft immer wieder ethische Fragen auf. Im heutigen Newsletter präsentieren wir Ihnen zwei aktuelle Beispiele solcher Diskussionen.
So griff jüngst die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) die im Juni angestoßene Debatte zur intensivmedizinischen Überversorgung am Lebensende auf. Hintergrund ist eine zu diesem Zeitpunkt hochrangig publizierte Studie deutscher Pneumologen und Intensivmediziner, die eine hohe Sterblichkeitsrate bei mechanisch beatmeten Patienten in deutschen Krankenhäusern aufzeigte. Die DGAI-Experten weisen zwar auf Limitationen der Studiendaten hin, insgesamt befürworten sie allerdings den Diskurs, den die Studie angeregt hat. Offenbar wollen sie die Erkenntnisse aber nicht ausschließlich auf dem Rücken der Intensivmedizinerinnen und Intensivmediziner ausgetragen sehen: Sie betonen, es brauche eine gesamtgesellschaftliche Diskussion darüber, ob und in welchem Umfang die Intensivmedizin in Zukunft eine Begrenzung erfahren sollte.
Was am Lebensende gilt, ist auch zu Beginn des Lebens von hoher Relevanz. Mehr noch: Ethisch fragwürdige Entscheidungen zum Start des Lebens können Betroffene ein ganzes Leben lang zeichnen. So steigen durch Weiterentwicklungen in der Neonatologie zwar die Überlebenschancen extrem frühgeborener Babys – doch zu welchem Preis? Ein Großteil der in der 22. Woche geborenen Kinder erfuhr laut einer kürzlich publizierten US-amerikanischen Erhebung während der pädiatrischen intensivmedizinischen Behandlung schwere Komplikationen wie Blutungen, Lungenerkrankungen oder Infektionen. Auch in Deutschland steht die Behandlung von extrem frühgeborenen Kindern im Fokus intensiver Diskussionen. Besonders relevant ist hier die Frage: Welche Lebensqualität kann für die Kinder langfristig gewährleistet werden?
Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen,
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