|
Liebe Leserinnen und Leser,
nicht ohne Grund ist die Sepsis ein immer wiederkehrendes Thema: Schätzungsweise 230.000 Menschen in Deutschland sind jährlich davon betroffen, rund 85.000 versterben daran. Damit gehört die zum Teil vermeidbare Erkrankung zu den häufigsten Todesursachen. Dass europaweit dringender Handlungsbedarf hinsichtlich verbesserter Maßnahmen für die Früherkennung und standardisierte Behandlung besteht, verdeutlichen auch neue Daten der European Sepsis Care Study Group. „Die seit vielen Jahren in Leitlinien geforderten Maßnahmen zur Erkennung und Therapie der Sepsis sowie notwendige, regelmäßige Schulungen des Personals sind ungenügend etabliert. Hier besteht ein enormes Verbesserungspotential“, resümiert Erstautor Dr. Christian Scheer von der Universitätsmedizin Greifswald.
Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungsqualität an deutschen Kliniken soll das Qualitätssicherungsverfahren QS-Sepsis leisten. Den Grundstein dafür hat der G-BA Ende 2024 gelegt. Seinem Beschluss folgend sind deutsche Krankenhäuser seit Anfang dieses Jahres dazu verpflichtet, Daten zu Diagnostik und Therapie der Sepsis zu erheben und zu übermitteln. Mithilfe der Qualitätsmessung sollen die Krankenhäuser regelmäßig erfahren, an welchen Punkten die internen Abläufe oder Strukturen optimiert werden müssen. Inwieweit sich diese Maßnahme tatsächlich in eine qualitativ bessere Versorgung umsetzen wird, bleibt abzuwarten.
Die Deutsche Sepsis-Stiftung macht auf einen weiteren Baustein aufmerksam, der Sepsispatienten helfen könnte – die stärkere Einbeziehung der Angehörigen. Hintergrund sind jüngste Berichte zur Wirksamkeit der sogenannten „Martha’s Rule“. Diese wurde 2024 in England eingeführt, um Sepsispatienten und deren Angehörigen eine stärkere Stimme zu verleihen. Sie ermöglicht den Betroffenen, eine Zweitmeinung einzuholen, wenn sie sich bei Anzeichen einer Sepsis nicht genügend gehört fühlen. Denn gerade Angehörige können oft frühzeitig Veränderungen im Zustand eines Patienten erkennen. Seit Einführung der Regel wurden etwa 450 kritische medizinische Interventionen nach Meldung eines Angehörigen eingeleitet. Die Sepsis-Stiftung sieht in den Entwicklungen in England ein wichtiges Signal auch für das deutsche Gesundheitssystem.
Eine erkenntnisreiche Lektüre und erholsame Ostertage wünscht Ihnen
|