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Liebe Leserinnen und Leser,
die Entstehung eines Typ-1-Diabetes ist nicht auf das Kinder- und Jugendalter begrenzt. Register- und Studiendaten aus unterschiedlichen Ländern bestätigen, dass eine Erstdiagnose nicht selten erst in der dritten Lebensdekade gestellt wird. Das zeigen auch vier Fälle allein in meinem persönlichen Umfeld. Und dennoch wird beim Thema Früherkennung und Diagnostik der Fokus häufig auf Kinder und Jugendliche beschränkt.
Neue Daten aus München untermauern nun, dass Typ-1-Diabetes Screeningprogramme auch auf junge Erwachsene ausgeweitet werden sollten. Wie die Analyse von Proben aus den LISA- und GINIplus-Kohorten zeigt, hatten sich die ursächlichen Inselautoantikörper bei den meisten Betroffenen zwar bereits bis zu einem Alter von 15 Jahren entwickelt – auch wenn sich die Krankheit erst zu einem späteren Zeitpunkt manifestierte. Doch in einigen Fällen waren die Autoantikörper erst im Alter von 15 bis 25 Jahren nachweisbar.
Typ-1-Diabetes geht zudem vermehrt mit anderen Autoimmunerkrankungen einher, beispielsweise der Zöliakie. Betroffene selbst, aber auch Ärztinnen und Ärzte sollten deshalb ein stärkeres Bewusstsein für die Zusammenhänge und typischen Anzeichen haben. Gleiches gilt für die Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Störung (AD(H)S), die aufgrund der Symptomatik bei Kindern mit Diabetes tendenziell erst spät oder gar nicht erkannt wird. Umgekehrt kann eine AD(H)S die Umsetzung der notwendigen Diabetestherapie deutlich erschweren. Doch auch bei diesen Themen sollte es nicht nur um Kinder und Jugendliche gehen. Schließlich wird die AD(H)S ebenso immer häufiger erst bei Erwachsenen diagnostiziert. Übrigens ist auch die Annahme, dass sich AD(H)S im Erwachsenenalter „verwächst“, längst überholt – Betroffene mit Diabetes stehen deshalb tendenziell ein Leben lang vor besonderen Herausforderungen.
Ob insbesondere Hausärztinnen und -ärzte ausreichend hinsichtlich dieser Zusammenhänge geschult sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Entsprechende Anzeichen sollten jedenfalls auch bei jungen Erwachsenen ernst genommen und abgeklärt werden, damit ein Typ-1-Diabetes frühzeitig erkannt wird.
Damit wünsche ich Ihnen eine informative Lektüre und ein fröhlich buntes Osterwochenende!
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