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Liebe Leserinnen und Leser,
stellt Dr. KI bessere Diagnosen als Ärztinnen und Ärzte? Vielfach lautet die Antwort wohl „Ja – aber (noch?) nicht im Klinikalltag“. So lieferte eine agentische KI im Rahmen einer Studie in einer Modell-Simulation die genaueren Diagnosen. Innerhalb der Testumgebung agierte die KI autonom: MIRA konnte Informationslücken feststellen, Untersuchungen anordnen, Befunde interpretieren und Therapieentscheidungen vorschlagen. Das KI-System orientierte sich dabei stärker an Leitlinien als die Mitglieder der ärztlichen Vergleichsgruppe. Ob der KI-Agent auch außerhalb der gut kontrollierten Simulationsumgebung funktioniert, steht allerdings noch nicht fest – dazu braucht es prospektive Real-World-Studien. Wie der Autopilot im Flugzeug könnten agentische KIs in Zukunft Routineaufgaben erledigen, hofft der leitende Autor der Studie, Prof. Jakob N. Kather. Er ist überzeugt, dass wir hier „einen Vorgeschmack darauf, wie KI die Medizin verändern könnte“, sehen.
Für Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist nicht die Frage, ob KI-Agenten in Zukunft in der Medizin eingesetzt werden, sondern wann. Ersetzten wird Dr. KI den Menschen dabei vermutlich nicht, lediglich unterstützen. Das Potenzial von KI-Agenten in der Medizin, aber auch Herausforderungen und Risiken auf dem Weg dahin, beschreibt ein aktuelles Fokus-Papier der Leopoldina.
Egal ob agentische KI oder Chatbot – die Bais sind immer die Daten, mit denen das System trainiert wird. Mitunter lassen sich aus diesen Daten mittels sogenannter „Membership Inference Attacks“ individuelle Patienten identifizieren. Dass gängige Medizin-KI-Modelle vor solchen Attacken weniger sicher sind als gedacht, zeigt eine aktuell in „Nature“ veröffentlichte Studie.
Oft stehen beim Blick auf KI-Systeme technologische Leistungsfähigkeit und Machbarkeit im Vordergrund. Aber letztendlich sollte die Technologie Patienten nützen, Schaden vermeiden sowie informierte Entscheidungen verbessern – und das evidenzbasiert. Die Frage, ob KI der evidenzbasierten Medizin, etwa hinsichtlich Nutzen-Schaden-Abwägungen oder patientenrelevanten Endpunkten, gerecht wird, hatte ein Forschungsprogramm im Blick. Dafür gibt es den David-Sackett-Preis 2026 des Netzwerks evidenzbasierte Medizin.
Eine interessante Lektüre und einen guten Start in die Woche wünscht Ihnen,
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