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Liebe Leserinnen und Leser,
der Deutschen Herzstiftung zufolge kommen in Deutschland jedes Jahr etwa 8700 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Dank operativer und katheterbasierter Eingriffe erreichen viele der betroffenen Kinder das Erwachsenenalter. Zu diesen Interventionen gehört auch das Einsetzen künstlicher Herzklappen. Da diese jedoch nicht mitwachsen, müssen sich die Patienten oft mehreren Folgeoperationen unterziehen, bevor sie das Erwachsenenalter erreichen. Transplantationschirurgen aus den USA sprechen sich daher dafür aus, diesen Kindern Klappen aus Herzen zu transplantieren, die anderen Kindern wegen Problemen mit dem Herzmuskel oder den Herzkranzgefäßen entfernt werden müssen. Diese Organe verfügten oft über Klappen, die strukturell normal seien, argumentieren die Mediziner. Da theoretisch aus jedem solchen Herzen zwei Klappen entnommen werden könnten, entlaste die partielle Herztransplantation die Versorgungssituation in der Kinderkardiologie gleich doppelt: Die Mehrfachoperationen für die heranwachsenden Herzklappenempfänger entfallen und die Nachfrage nach Spenderherzen sinkt.
Denn tatsächlich tragen die Fortschritte in der pädiatrischen Herzmedizin dazu bei, dass mehr Kinder lange genug überleben, um eine Transplantation zu erhalten – doch das Angebot an Spenderherzen hält damit nicht Schritt. Die betroffenen Kinder versterben, während sie auf der Warteliste für ein neues Organ stehen. Darauf machten jüngst Experten auf der 46. Jahrestagung der International Society for Heart and Lung Transplantation in Toronto (Kanada) aufmerksam. Um dieses Paradoxon aufzulösen, plädierte Dr. Brigitte Stiller, Professorin und Leiterin der Kinderkardiologie am Universitätsklinikum Freiburg, auf der Tagung dafür, sich von der Vorstellung des „perfekten“ Spenderherzens zu verabschieden. Dies führe eher dazu, dass manche Kinder nie eine Transplantation erhielten. Daneben seien aber auch technologische und politische Ansätze nötig, um das Dilemma zu bewältigen.
Bevor betroffene Kinder behandelt werden können, muss der angeborene Herzfehler aber erst einmal erkannt werden – was bislang nur bei einem Drittel der Fälle bereits in der Schwangerschaft gelingt. Anlässlich des gestrigen Tages des herzkranken Kindes fordern Kinderkardiologen und das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler daher klare vorgeburtliche Screening-Standards in der Schwangerenvorsorge. Nur so könne im Fall eines positiven Befundes die Geburt gezielt geplant und eine optimale Versorgung direkt nach der Entbindung sichergestellt werden. Für die betroffenen Kinder kann das lebensentscheidend sein.
Eine aufschlussreiche Lektüre und eine angenehme Restwoche wünscht
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