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Liebe Leserinnen und Leser,
falls Sie über die etwas provokante Headline dieses Newsletters gestolpert sind: Nein, der Vorhofohrverschluss hat nicht ausgedient. Doch sollte sein Einsatz bei Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern und gleichzeitig hohem Schlaganfall- sowie Blutungsrisiko genau abgewogen werden, wie eine aktuelle Studie im „New England Journal of Medicine“ verdeutlicht. In dieser war das interventionelle Verfahren gegenüber einer individuell ärztlich gesteuerten medikamentösen Therapie nicht gleichwertig. So kam es in der Device-Gruppe häufiger zu schwerwiegenden Ereignissen – darunter Schlaganfälle, schwere Blutungen oder kardiovaskuläre Todesfälle. „Der Vorhofohrverschluss bleibt ein relevantes Verfahren, das das Schlaganfallrisiko reduzieren kann. Entscheidend ist jedoch, für welche Patientengruppen er tatsächlich einen zusätzlichen Nutzen bringt. Genau hier besteht weiterer Forschungsbedarf“, verdeutlicht Erstautor Prof. Ulf Landmesser.
Die Algorithmen-basierte Datenauswertung spielt eine immer größere Rolle – auch in der kardiologischen Diagnostik. Bereits 2024 berichtete die ARTEMIS-Studiengruppe unter Leitung von Forschenden des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in „The Lancet Digital Health“ über einen Algorithmus, der anhand von routinemäßig erhobenen klinischen Variablen in Verbindung mit einem Troponin-Schnelltest bei mehr als doppelt so vielen Patienten binnen weniger Minuten einen Herzinfarkt ausschließen kann als die bisherigen Diagnoseverfahren. Praktisch angewendet werden soll der Algorithmus über eine speziell entwickelte Diagnose-App. In einem weiteren Schritt plant die Forschungsgruppe nun, in die App auch eine automatisierte KI-basierte EKG-Auswertung zu integrieren, um EKG-Auffälligkeiten umfänglicher berücksichtigen zu können.
Genau an einer solchen KI-basierten EKG-Auswertung arbeiten derzeit auch italienische Wissenschaftler. Auf dem ESC Acute CardioVascular Care 2026 in Lissabon präsentierten sie letzte Woche erste Daten einer prospektiven, monozentrischen Studie, in der sie die Leistung ihrer KI mit der üblichen ärztlichen Befundung bei Patienten mit Herzinfarkt-Symptomatik, aber ohne ST-Hebung im ersten EKG verglichen. Im Ergebnis zeigte der KI-basierte Ansatz eine überlegene Genauigkeit bei der Identifizierung und dem Ausschluss eines okklusiven Myokardinfarkts.
Für beide Ansätze sind weitere Studien nötig, bevor sie Einzug in den klinischen Alltag halten können. Der Weg in die Routineversorgung führt über valide prospektive Daten – erst sie werden zeigen, welchen konkreten Mehrwert KI in der kardiologischen Diagnostik tatsächlich bietet.
Lesen Sie weitere Meldungen ihres Fachgebietes im heutigen Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal. In der aktuellen Ausgabe der KOMPAKT KARDIOLOGIE finden Sie außerdem eine spannende Auswahl von Studien zu den Schwerpunktthemen Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck – wie immer kommentiert in einem lesenswerten Editorial des Herausgebers Prof. Erland Erdmann.
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