Liebe Leserinnen und Leser,
mit heißen Temperaturen steigt die Zahl der Hitzetoten und Badeunfälle. Die jüngste Hitzewelle brachte viele Notaufnahmen und Rettungskräfte an ihre Belastungs- und Kapazitätsgrenzen. Und auch auf der Straße macht sich schönes Wetter bemerkbar. So werden in den Sommermonaten in der Regel deutlich mehr Verkehrsunfälle verzeichnet, insbesondere bei Motorrad- und Fahrradfahrenden.
Müssen Traumapatienten länger als 14 Tage auf der Intensivstation behandelt werden, spricht man von einer chronisch kritischen Erkrankung (CCI). US-Forschende haben nun ein spezifisches Immunprofil identifiziert, welches mit einem erhöhten Risiko für eine CCI einhergeht. Die Daten ihrer Studie zeigen, dass CCI-Patienten mehr Neutrophile und TH17- Zellen im Blut sowie höhere Plasmakonzentrationen an IFNγ und IL-17A aufweisen als Patienten, die sich schneller erholten und früher von der Intensivstation entlassen werden konnten. Die Entwicklung einer CCI könnte somit die Folge einer fehlgeleiteten Überreaktion des Immunsystems sein. Eine frühzeitige Charakterisierung des Immunprofils könnte den behandelnden Ärztinnen und Ärzten wiederum ermöglichen, Hochrisiko-Patienten zu identifizieren und entsprechend zu versorgen.
Ähnliches scheint auch in Sachen Herzinfarkt möglich zu sein. Im Fokus stehen hier nicht aktivierte Neutrophile, sondern ihre unreifen Vorläuferzellen. Ein Forschungsteam der Universität Münster fand heraus, dass die Freisetzung unreifer Zellen aus dem Knochenmark bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt am stärksten ausgeprägt war. Erkennen lässt sich das in einem einfachen Differentialblutbild. Der sogenannte IG-Wert scheint dabei ein stärkerer Prädiktor für die Mortalität als etablierte Biomarker. Natürlich müsse seine Vorhersagekraft aber erst noch in weiteren Studien überprüft werden, so die Forschenden.
Unabhängig von Unfall oder Krankheit haben Intensivpatientinnen und -patienten zudem ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen. Forschende aus Jena haben nun die Ergebnisse einer Proof-of-Concept-Studie für den Nachweis von mikrobieller zellfreier DNA (mcfDNA) präsentiert. Für das Verfahren wird nur eine einfache Blutprobe benötigt, die mittels Nanopore-Sequenzierung analysiert wird. Ein Ergebnis liegt innerhalb von zwölf Stunden vor.
All diese Erkenntnisse und Entwicklungen könnten in zeitkritischen Notfallsituationen eine bessere Behandlung und ein besseres Outcome der Patientinnen und Patienten ermöglichen. Und im Idealfall werden Deutschlands Krankenhäuser zusätzlich noch möglichst zügig mit Klimaanlagen ausgestattet.
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