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Liebe Leserinnen und Leser,
Menschen geben mitunter nicht nur die eigenen Gene an ihre Nachkommen weiter. Werden virale Sequenzen in Folge einer Infektion in das Wirtsgenom integriert, so reisen diese unter Umständen als blinde Passagiere mit in die nächste Generation. Einen direkten Nachweis dafür, dass das bei humanen Herpesviren (HHV) der Fall ist, lieferte jüngst eine Studie der Universität Wien. Die Forschenden konnten die Genome von HHV-6A und B in menschlichen Überresten nachweisen, die mehr als 2000 Jahre alt waren. Damit lässt sich die Evolution dieser Viren während ihrer Koexistenz mit dem Menschen bis in die Eisenzeit zurückverfolgen.
Bleiben wir bei den Herpesviren: Das Epstein-Barr-Virus (EBV), auch bekannt als HHV-4, gilt als mitverantwortlich für eine Reihe von Krebs- und Autoimmunerkrankungen, darunter die Multiple Sklerose (MS). Doch die Infektion allein führt in der Regel nicht zum Ausbruch der MS. Wie Forschende der Universität Zürich zeigen, spielen auch genetische Risikofaktoren eine wichtige Rolle. Dazu zählt insbesondere der HLA-DR15-Haplotyp, der im Rahmen einer EBV-Infektion die Programmierung der autoreaktiven Immunzellen gegen die Myelinbestandteile begünstigt.
Eine internationale Forschungsarbeit zeigt darüber hinaus, dass die Alzheimer-Biomarker p-tau217, GFAP und NfL bereits in wenigen Tropfen Blut aus der Fingerspitze präzise nachgewiesen werden können. Damit ließen sich diese und potenziell auch andere neurodegenerative Krankheiten mit einem Stich in die Fingerspitze barrierefreier diagnostizieren und beobachten. Noch ist die Methode allerdings nicht für die klinische Anwendung validiert.
Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre und viel Spaß beim Stöbern. Bleiben Sie gesund!
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