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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Onkologie,
gestern konnten wir leider, bedingt durch einen technischen Fehler, nicht alle unsere Newsletter versenden. Hier erhalten Sie also nun den gestrigen Newsletter „Kompakt Onkologie". Wir bitten um Entschuldigung für die Verzögerung.
Fettzellen – die meisten Bundesbürger haben mehr davon, als ihnen lieb ist. Eine sympathische Seite dieser Körperbestandteile brachten Experimente in San Francisco jetzt ans Licht: Wurden weiße Fettzellen per CRISPR in wärmeerzeugende beige umgewandelt und in der Nähe von Tumoren implantiert, verschlangen sie alle Nährstoffe und ließen die meisten Tumorzellen verhungern. Diese Methode fruchtete in der Petrischale bei zwei verschiedenen Arten von Brustkrebs- sowie Dickdarm-, Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebszellen und in Mausmodellen bei Brust- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Interessanterweise funktionierte der Ansatz sogar dann, wenn die Fettzellen in Mäusen an Stellen implantiert wurden, die weit von den Tumoren entfernt waren.
Aber das Hauptproblem sind ja in der Regel die Metastasen. Abhilfe könnte aus Hannover kommen: Dort hat ein Team der Medizinischen Hochschule Hannover Tumorzellen mit synthetischem Adhibin lahmgelegt und somit ihre Wanderung und Anheftung an andere Zellen verhindert. Denn Adhibin kann offenbar in einen bestimmten Schritt der komplexen Signalwege der Rho(Ras-homologe)-GTPasen eingreifen. Dadurch werden Tumorzellen daran hindert, feste Zellverbände zu bilden sowie aktiv zu wandern.
Doch hin zu einem praxisnäheren Thema: Ohne Anthrazykline geht es oft nicht. Auf der Suche nach Wirkstoffen zum Schutz vor deren Kardiotoxizität testeten spanische Wissenschaftler den bereits gegen Diabetes eingesetzten SGLT2-Hemmer Empagliflozin. Im Schweinemodell milderte er die mit einer Anthrazyklin-Therapie verbundenen Herzschäden ab. Dabei beruhte der Schutzeffekt auf einer Steigerung des myokardialen Verbrauchs von Ketonkörpern. Bleibt abzuwarten, ob sich der Effekt bei Menschen reproduzieren lässt – eine Registerstudie könnte vielleicht entsprechende Hinweise liefern.
Wie gut eine solche Chemotherapie bei neoadjuvanter Anwendung anschlägt, hängt bei Mäusen offenbar vom Östruszyklus ab, wie eine in „Nature“ publizierte Studie belegt. Bei Behandlungsbeginn in der Diöstrusphase war das Ansprechen verringert, verglichen mit der Einleitung der Therapie im Östrusstadium. In retrospektiven Kohorten prämenopausaler Patientinnen wurden ähnliche Effekte beobachtet.
Neben neuen Erkenntnissen zum Pankreaskarzinom finden Sie in diesem Newsletter außerdem eine „Nature“-Studie, die zeigt, dass eine Neoantigen-Vakzine beim Nierenzellkarzinom zu Antitumor-Immunität führt – nach einer medianen Nachbeobachtung von 40,2 Monaten hatte keiner der neun geimpften Patienten ein Rezidiv entwickelt.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und eine angenehme Woche!
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