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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Onkologie,
die Nachricht rund um das Thema Krebs, die mich diese Woche am stärksten beeindruckt hat, kam von ungewohnter Seite: Der Guardian berichtet über den Fall des renommierten Melanom-Forschers Prof. Richard Scolyer – der Zeitung zufolge auf diesem Gebiet der Pathologe mit den meisten Veröffentlichungen. Scolyer ließ zu, dass gegen das bei ihm im Mai 2023 entdeckte hochgradige Gliom mit IDH-Wildtyp eine neue Immuntherapie-Kombination getestet wird. Den Therapie-Plan hat seine – in der Melanom-Forschung ebenfalls sehr bekannte – Kollegin Prof. Georgina Long mit ihrem Team erarbeitet. Scolyer erhielt eine Kombination dreier Immuntherapeutika (zu der mir leider wenig bekannt ist, ein Impfstoff ist offenbar dabei, eine Anfrage dazu läuft) und wurde anschließend operiert. Das resezierte Gewebe zeigte, dass seine Immunzellen den Kampf gegen die Tumorzellen aufgenommen haben. Noch lässt sich nicht sagen, wie erfolgreich die Therapie langfristig wirkt. Als der Artikel geschrieben wurde, gab es noch keine Anzeichen für ein Rezidiv.
Hoffnung für Hirntumorpatienten durch neue Impfstoffe kommt auch aus Deutschland, allerdings gegen Gliome mit IDH1-Mutation. Daran arbeitet Prof. Michael Platten, der deshalb jetzt als Preisträger des „Breakthrough of the Year 2024“ der Falling Walls Foundation in der Kategorie Life Sciences ausgezeichnet wurde. Auch bei diesem Impfstoff ergab sich eine Immunreaktion im Gehirn des behandelten Patienten. Im April hatte Platten bereits den Paul-Martini-Preis für die Entwicklung therapeutischer Impfstoffe erhalten.
Zur Immuntherapie beim Melanom gibt es ebenfalls Neuigkeiten: Vidutolimod zielt auf den Mustererkennungsrezeptor TLR9 ab und wurde in Kombination mit Nivolumab getestet. Nach der neoadjuvanten Therapie zeigten sich bei 55 Prozent der Patienten weniger als 10 Prozent verbliebene lebensfähige Tumorzellen im chirurgischen Präparat. Bei Patienten mit starkem pathologischen Ansprechen lagen nach zwei Jahren die Raten des rezidivfreien Überlebens bzw. des Überlebens ohne Fernmetastasen bei 88 bzw. 94 Prozent.
Wie es politisch nach dem Ende der Ampel-Koalition mit der Krankenhausreform weitergehen wird, bleibt abzuwarten. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist zumindest fest entschlossen, sie noch durchzusetzen. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin zeigen sich besorgt und appellieren an die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern, zumindest die Krankenhausreform und die Notfallgesetzgebung abzuschließen, eine weitere Hängepartie sei nicht zumutbar.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und eine gute Woche!
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