Ausgabe DKK #1/2026

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Mittwoch, 18. Februar 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist wieder so weit: Die Türen des CityCube in Berlin sind geöffnet, der 37. Deutsche Krebskongress (DKK 2026) hat begonnen und versammelt noch bis Samstag die onkologische Expertise von nah und fern. Gemeinsam ausgerichtet von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Stiftung Deutsche Krebshilfe ist der DKK der älteste onkologische Fachkongress im deutschsprachigen Raum. Laut Veranstalter wurde 2024 sogar ein neuer Teilnehmerrekord verzeichnet. Ob das womöglich der post-pandemischen Euphorie geschuldet war? Möglich. Allerdings steht außer Frage, dass die Onkologie in Deutschland so bedeutsam ist wie nie zuvor. In zwei Sondernewslettern sowie auf unserem Fachportal werden wir sie daher rund um die spannendsten Themen des DKK 2026 auf dem Laufenden halten. Ob selbst vor Ort oder nicht – im heutigen Newsletter geben wir Ihnen vorab einen Überblick, welche Themen die Onkologie beschäftigt und worüber Expertinnen und Experten in den kommenden Tagen diskutieren.

Zusammen – gezielt – zukunftsfähig“ lautet das diesjährige Motto unter Kongresspräsidentin Prof. Anke Reinacher-Schick. Die Direktorin der Klinik für Hämatologie und Onkologie im St. Josef-Hospital des Katholischen Klinikums Bochum hat es in ihrem Grußwort sehr passend formuliert: Krebs betrifft uns alle. Und den Kampf gegen ihn gewinnt man nur gemeinsam. Doch wie kann es gelingen, die unterschiedlichen Bedürfnisse von Betroffenen, Angehörigen und Behandelnden zu vereinen? Im Interview mit uns betont Reinacher-Schick, dass die persönlichen Ziele und Wünsche der Patientinnen und Patienten ganz entscheidend sind. Und das beginnt mitunter schon vor der Diagnose.

 
 

DKK 2026: „Zusammen – gezielt – zukunftsfähig“

Patientenzentrierte Versorgung, Künstliche Intelligenz, Bürokratie. Kongresspräsidentin Prof. Anke Reinacher-Schick erzählt im Interview, worauf es künftig in Deutschland ankommen wird. Außerdem verrät die Onkologin, wie sie im Alltag von Gen Z lernt und was sie sich für die Zukunft wünscht.

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Wie sprechen wir über das Thema Krebs? Wie kommunizieren wir Diagnosen, Prognosen und Behandlungsoptionen? Einen Impuls möchte hierzu Prof. Eckart von Hirschhausen in seiner heutigen Keynote-Lecture „Krebs? Reden hilft!“ geben. Vorab im Interview spricht er über persönliche Erfahrungen und appelliert: Kommunikation auf Augenhöhe kann Leben retten. Das sei auch deshalb wichtig, weil im Netz immer mehr Falschinformationen kursieren. Nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch die Politik müsse die „Deepfake-Mafia“ ernst nehmen.

 
 
 
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NEUE DATEN FÜR 1L
NSCLC-PATIENT:INNEN MIT
TUMORSTATUS PD-L1<1%

Das finale 6-Jahresupdate der CM9LA belegt:  Die Kombination aus YERVOY® + OPDIVO® plus zwei Zyklen Chemotherapie zeigt ein stabiles OS-Plateau bei NSCLC-Patient:innen mit Tumorstatus PD-L1<1%  – mit bestätigter Wirksamkeit bei Plattenepithel- und Adenokarzinom (expl. Post-hoc Analyse).1 Mehr Möglichkeiten für mehr Patient:innen.

Fachinformation | Referenzen

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Doch die richtige Kommunikation erfordert nicht nur Zeit und Einfühlungsvermögen, sondern auch eine solide Datengrundlage, Stichwort Diagnostik. Hochpräzise, dabei schnell und kostengünstig und bestenfalls so wenig invasiv wie möglich – nicht weniger lauten die Ansprüche. Großes Potenzial steckt diesbezüglich weiterhin in Flüssigbiopsien, wie Prof. Klaus Pantel erläutert.

 
 

Blutbasierte Tests – die Zukunft von Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention

Die Liquid Biopsy ermöglicht die minimalinvasive Analyse tumorassoziierter Biomarker im Blut und anderen Körperflüssigkeiten. Besonders die ctDNA-Diagnostik gewinnt für Therapieentscheidung, Monitoring und Rezidiverkennung zunehmend an Bedeutung.

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Kongresspräsidentin Reinacher-Schick weist allerdings darauf hin, dass auch die besten Daten nur dann zu einer optimalen Versorgung beitragen können, wenn sie für alle Beteiligten zugänglich sind. „Die Idee des Daten-Teilens sollte also umgesetzt werden“, so die Kongresspräsidentin.

Im Rahmen der Präzisionsmedizin können Therapieentscheidungen nicht nur immer besser und personalisierter getroffen, sondern wirksame Medikamente auch in fortgeschrittenen Stadien eingesetzt werden, erklärt die Onkologin außerdem. Die nichtinterventionelle HANNA-Studie, deren Ergebnisse Prof. Andreas Dietz in der morgigen Highlight-Sitzung Präzision in der Kopf-Hals-Onkologie“ präsentieren wird, bestätigt beispielsweise die Wirksamkeit von Nivolumab bei rezidiviertem und/oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom des Kopf-Hals-Bereichs.

Mit der steigenden Zahl an Krebspatientinnen und -patienten und wirksameren Krebstherapien wächst auch die Anzahl derer, die den Krebs überleben. Was erstmal positiv klingt, bringt in der Praxis jedoch weitere Herausforderungen mit sich. Prof. Andrea Forschner verdeutlicht am Beispiel Melanom, welche Probleme Langzeitüberlebende im Alltag zu bewältigen haben, allen voran die chronischen Nebenwirkungen einer Immuntherapie.

 
 

Langzeitüberleben beim Melanom aus Sicht von Klinik und Praxis

Langzeitüberlebende Melanom-Patientinnen und -Patienten stehen häufig vor anhaltenden therapieassoziierten Nebenwirkungen, psychosozialen Belastungen und Einschränkungen im Alltag. Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit strukturierter Survivorship-Programme.

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Ein weiteres Thema, das sich durch den Kongress zieht, ist die Frage nach Inklusivität. Wir wollen eine bestmögliche patientenzentrierte Versorgung leisten. Doch schließt das auch alle Menschen gleichermaßen ein? Zum jetzigen Stand lautet die Antwort wohl eher nein. Randgruppen wie Menschen mit Intelligenzminderung oder Migrationshintergrund scheitern oftmals schon daran, angemessenen Zugang zu einer Versorgung zu erhalten, wie Prof. Tanja Sappok und Prof. Anke Steckelberg verdeutlichen. Ein Beitrag von Dr. Lina Jansen zeigt, dass sozioökonomische Faktoren allgemein die Krebsinzidenz beeinflussen.

Eine weitere bedeutende Rolle für die patientenzentrierte Versorgung spielt zudem – Sie ahnen es vermutlich bereits – das Geschlecht. Zum Kongress-Start findet heute Vormittag direkt eine Schnittstellen-Sitzung zum Thema „Geschlechtersensible Onkologie – Gap zwischen Forschung und Versorgung“ statt. Vorträge halten unter anderem PD Dr. Annamaria Brioli und Prof. Stefan Engeli, die sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Krebstherapien beschäftigen.  

 
 

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Toxizität systemischer Krebstherapien

Krebstherapien können bei Männern und Frauen nicht nur unterschiedlich wirken, sondern vor allem auch unterschiedliche Nebenwirkungen hervorrufen. Trotz wachsender Evidenz werden geschlechtsspezifische Unterschiede bislang nicht ausreichend berücksichtigt.

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Das Geschlecht beeinflusst maßgeblich die Pharmakokinetik, insbesondere von systemisch verabreichten Wirkstoffen. Häufig sind Frauen deshalb bei gleicher Standarddosierung höheren Wirkstoffexpositionen ausgesetzt und zeigen unterschiedliche Nebenwirkungsprofile. Die geschlechtersensible Onkologie ist inzwischen unverzichtbar – doch es gibt dringenden Nachholbedarf, wie Brioli und Engeli aufzeigen.

Wie steht es um den Forschungsstandort Deutschland? Auch darüber wird auf dem DKK 2026 fleißig diskutiert werden. Deutschland hinkt in Sachen klinische Studien deutlich hinter anderen Ländern her (wir berichteten). Reinacher-Schick bemängelt, dass die Prozesse schlicht zu lange dauern, sowohl bis Studienstart als auch in der Rekrutierung. Die Grundlagen- und präklinische Forschung seien in Deutschland exzellent. Bürokratieabbau und eine gemeinsame Anstrengung von allen Seiten könnten der Schlüssel sein, um Deutschland wieder an die Spitze zu bringen.

Grundsätzlich wird es in den kommenden Tagen auf dem DKK 2026 vor allem um die onkologische Versorgung in Deutschland gehen. Ob KrankenhausreformKünstliche Intelligenz oder innen- und außenpolitische Herausforderungen – an Gesprächsbedarf mangelt es nicht. Und wo stehen wir eigentlich in Sachen Krebsprävention? Zahlen sich unsere nationalen sowie internationalen Bemühungen aus? Eine gute Diskussionsgrundlage könnte womöglich ein Sonderbericht zu Europas Plan gegen den Krebs bilden, dessen Veröffentlichung der Europäische Rechnungshof für morgen angekündigt hat. 

Veranstaltungstipp der Kongresspräsidentin:

  • Zugang zu Versorgung und Forschung in herausfordernden Zeiten
    Plenarsitzung mit Keynote-Lecture von Prof. Alena Buyx, 19.02., 15 – 16:30 Uhr

Unsere Empfehlungen:

  • Presidential Sitzung
    18.02., 17:15 – 18:15 Uhr
  • Krankenhausgesetzgebung: Von der Reform zum Reförmchen?
    19.02., 15 – 16:30 Uhr
  • Plenar: Oncology in the age of AI
    19.02., 16:45 – 18:15 Uhr
  • Zukunft gestalten!? Eine Pharmastrategie für eine bessere Krebsversorgung
    20.02., 8 – 9 Uhr
  • Europe's Beating Cancer Plan: Europe's mission Germany's vision
    20.02., 10:45 – 12:15 Uhr

Wichtige Impulse für die Zukunft erhofft sich die Kongresspräsidentin auch vom onkologischen Nachwuchs. Reinacher-Schick sieht insbesondere im umgekehrten Mentoring-Modell großes Potenzial, von den jüngeren Kolleginnen und Kollegen beispielsweise mit Blick auf Digitalisierung und Soziale Medien zu lernen. Im Rahmen der Nachwuchsförderung stellt der DKK 2026 Studierenden ein speziell zugeschnittenes Programm bereit, unter anderem mit:

  • Studierendentag inkl. Scientific Speed-Dating und Meet the Expert
    19.02., 8 – 16 Uhr
  • Tag der Jungen Onkolog:innen
    20.02., 10:45 – 16:30 Uhr
  • Science Slam
    20.02., 16:45 - 18:45 Uhr

Neben den hier genannten Empfehlungen bietet der DKK 2026 auch in diesem Jahr wieder ein spannendendes wissenschaftliches Programm – gefüllt mit Highlight-, Schnittstellen- und Fortbildungssitzungen zu allen onkologischen Fachdisziplinen. Es liegen also ein paar erkenntnisreiche Tage vor uns. In unserem zweiten Sondernewsletter am Samstag werden wir Ihnen dann von unseren Highlights berichten und wichtige Erkenntnisse noch einmal zusammenfassen.

Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Milo Klesse und Ihre Lena Johannes

 

 

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