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Liebe Leserinnen und Leser,
die Migränetherapie entwickelt sich aktuell in zwei Richtungen – und genau darin liegt ein Problem. Auf der einen Seite wachsen die Zahl der Therapieoptionen und die Evidenz. So deuten aktuelle Daten aus den USA beispielsweise darauf hin, dass Gepante sowohl in der Akuttherapie als auch in der Prophylaxe der vestibulären Migräne einen relevanten Nutzen haben könnten. Damit könnte die Substanzklasse der CGRP-Antagonisten künftig auch dort eine therapeutische Lücke schließen, wo bislang häufig nur empirisch behandelt wird.
Auf der anderen Seite befürchten die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, dass das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz den therapeutischen Fortschritt zunichtemachen könnte: Dieses sieht nämlich vor, alle Substanzen, die in den CGRP-Signalweg eingreifen, in einer Gruppe zusammenzufassen, das günstigste Präparat zur „Leitsubstanz“ zu machen und einen Wechsel auf andere Substanzen zu erschweren. Dabei ist den Fachgesellschaften zufolge aber gerade die individuelle Auswahl der medikamentösen Behandlung entscheidend für den Erfolg der Migränetherapie. Chronifizierungen, Einschränkungen in der Produktivität und psychische Komorbiditäten wie Depressionen könnten die Folge sein und damit das Ziel der Sparpolitik konterkarieren.
Die Diskussion sollte deshalb weniger um einzelne Wirkstoffe als vielmehr um die Frage kreisen, wie individualisierte Migränetherapie tatsächlich umgesetzt werden kann. Dass inzwischen für viele Patienten wirksame Akut- und Prophylaxetherapien zur Verfügung stehen, ist ein großer Fortschritt. Nur sollten diese Optionen auch zielführend eingesetzt werden können.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und einen guten Start in die Woche!
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