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Liebe Leserinnen und Leser,
„Pflanzenbasierte Arzneimittel auf Rezept. Apothekenversand ohne Umwege. Delivered by Lieferando“, heißt es auf der Website einer Plattform, die mit der Lieferung von medizinischem Cannabis in ein bis zwei Stunden wirbt. Das Prinzip ist einfach: Erst die gewünschte Apotheke aussuchen, dann für neun Euro online einen medizinischen Fragebogen ausfüllen und das gewünschte Produkt auswählen. Nach Prüfung durch einen Arzt oder Ärztin wird ein entsprechendes Rezept ausgestellt und das Arzneimittel geliefert. Dass diese Praxis extrem anfällig für Missbrauch ist, leuchtet ein. Nun urteilte das Hamburger Landgericht, dass eine solche Werbung unzulässig ist. Die Apothekerkammer Nordrhein hat jüngst eine einstweilige Verfügung gegen den Anbieter erwirkt. Entsprechend wird die Express-Lieferung auf der Website derzeit nicht mehr angeboten. Die kostenlose Abholung in einer entsprechenden Partner-Apotheke und der Versand innerhalb von ein bis zwei Tagen sind allerdings weiterhin möglich.
Angesichts einfacher Möglichkeiten wie dieser, an medizinisches Cannabis zu gelangen, scheint es eine gute Idee der Bundesregierung, das Medizin-Cannabis-Gesetz zu verschärfen. Die Cannabisbranche, aber auch Patientenverbände wie das CannabisSelbsthilfeNetzwerk halten selbstredend dagegen.
Dabei ist die Evidenz zur Wirksamkeit des pflanzenbasierten Arzneistoffes weiter dünn – zumindest hinsichtlich der Behandlung neuropathischer Schmerzen, wie ein aktueller Cochrane-Review erneut aufzeigt. Und: Auch Cannabis birgt ein Abhängigkeitspotenzial – ob nun in der Freizeit oder als Therapeutikum konsumiert. Um eine Cannabiskonsumstörung zu identifizieren, haben Forschende aus Großbritannien die Konsummuster von Jugendlichen und jungen Erwachsenen analysiert. Darauf basierend definierten sie Schwellenwerte für die wöchentliche THC-Einnahme, ab denen Personen in der Regel eine Cannabiskonsumstörung entwickeln. Den Autoren zufolge könnten diese Schwellenwerte zur Entwicklung von Leitlinien für einen risikoarmen Cannabiskonsum beitragen.
Unabhängig von rechtlichen Grauzonen und politischem Regulierungswillen gilt: Medizinisches Cannabis ist kein Lifestyle-Produkt, sondern ein Arzneimittel mit bislang begrenzter Evidenz und relevanten Risiken. Umso wichtiger bleiben eine sorgfältige Indikationsstellung, ärztliche Kontrolle und ein verantwortungsvoller Umgang in der Schmerztherapie.
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