Paracetamol in der Schwangerschaft: Keine Hinweise auf erhöhtes Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderungen

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Laut einer neuen umfangreichen Forschungsarbeit gibt es keine Hinweise darauf, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft das Risiko von Autismus, ADHS oder geistiger Behinderung bei Kindern erhöht.

Es bestehen Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft auf die kindliche neurologische Entwicklung. Im September 2025 äußerte zudem die US-Regierung die Vermutung, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft das Risiko für Autismus bei Kindern erhöhen könnte.

Die aktuelle Studie des internationalen Forscherteams um Erstautoren Francesco D’Antonio von der University of Chieti (Italien) gibt nun Entwarnung. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS oder geistiger Behinderung. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women’s Health“ veröffentlicht.

Geschwistervergleiche im Fokus

Für diese systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse durchsuchten die Forscher die Datenbanken MEDLINE, Embase, ClinicalTrials.gov und die Cochrane Library von Beginn an bis zum 30. September 2025 nach Kohortenstudien, die adjustierte Risikoschätzungen für Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS und geistige Behinderung berichteten. Die Qualitätsbewertung der eingeschlossenen Studien erfolgte mithilfe des QUIPS-Tools (Quality In Prognosis Studies). Die Analysen beschränkten sich auf Geschwistervergleichsstudien. Insgesamt schlossen die Wissenschaftler 43 Studien in die systematische Übersichtsarbeit und 17 Studien in die Metaanalyse ein.

Bei Betrachtung von Geschwistervergleichsstudien zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Paracetamol-Exposition während der Schwangerschaft und dem Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen (OR 0,98, 95 %-KI 0,93–1,03; p=0,45), ADHS (0,95, 0,86–1,05; p=0,31) oder geistiger Behinderung (0,93, 0,69–1,24; p=0,63).

Es zeigte sich auch kein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und Autismus-Spektrum-Störungen (OR 1,03, 95 %-KI 0,86–1,23; p=0,78), ADHS (0,97, 0,89–1,05; p=0,49) oder geistiger Behinderung (1,11, 0,92–1,34; p=0,28), wenn nur Studien mit geringem Verzerrungsrisiko gemäß QUIPS berücksichtigt wurden. Dieses Fehlen eines Zusammenhangs blieb auch bei Berücksichtigung aller Studien mit adjustierten Schätzungen und solcher mit einer Nachbeobachtungszeit von mehr als fünf Jahren bestehen.

Mütterliche Faktoren als Ursache vermutet

Frühere Metaanalysen, die auf geringe Zusammenhänge zwischen Paracetamol in der Schwangerschaft und einem erhöhten Risiko für Autismus und ADHS hindeuteten, basierten laut den Autoren der aktuellen Forschungsarbeit häufig auf Studien mit Verzerrungen. Diese zuvor berichteten Zusammenhänge seien eher auf andere mütterliche Faktoren wie Schmerzen, Unwohlsein, Fieber oder genetische Veranlagung als auf eine direkte Wirkung des Paracetamols zurückzuführen.

(ri/BIERMANN)