Sterolbiosynthese-hemmende Medikamente in der Schwangerschaft könnten die Gehirnentwicklung beeinträchtigen24. Juli 2026 Symbolbild © Eve/stock.adobe.com Eine Übersichtsarbeit fasst die Evidenz zur Bedeutung der Sterolbiosynthese für die Gehirnentwicklung zusammen. Demnach könnten Sterolbiosynthese-hemmende Medikamente während der Schwangerschaft das Risiko neuroentwicklungsbedingter Störungen erhöhen. Die Autoren fordern weitere Forschung und eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Die Publikation von Forschenden des University of Nebraska Medical Center (UNMC) und des Child Health Research Institute (CHRI) legt nahe, dass eine Einschränkung des Einsatzes bestimmter Medikamente während der Schwangerschaft das Risiko für neuroentwicklungsbedingte Störungen des fetalen Gehirns verringern könnte. Zu den untersuchten Medikamenten gehören bestimmte Statine, Antidepressiva, angstlösende Mittel sowie Herz-Kreislauf-Medikamente. Die Cholesterolbiosynthese ist für die normale Gehirnentwicklung unerlässlich. Wird dieser Prozess gestört, so der Artikel, können komplexe neuroentwicklungsbedingte Störungen entstehen, darunter Autismus, das fetale Fentanyl-Syndrom und das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom. Sterolbiosynthese im Fokus der Gehirnentwicklung Der kürzlich im „Journal of Clinical Investigation“ erschienene Artikel ordnet frühere Veröffentlichungen desselben Teams sowie dessen nationaler und internationaler Kooperationspartner – darunter mehr als 125 weitere Publikationen – in einen Gesamtzusammenhang ein. Dr. Karoly Mirnics, korrespondierender Autor des Artikels sowie Dekan und Direktor des Munroe-Meyer-Instituts (UNMC/CHRI), erklärt, die Auswirkungen einer Störung des pränatalen Sterolbiosynthesewegs durch Sterolbiosynthese-hemmende Medikamente (SBIMs) seien gut dokumentiert. „Zudem zeigt unsere kürzlich veröffentlichte Studie, die auf 6,14 Millionen Gesundheitsdaten von Müttern und ihren Kindern aus den gesamten USA basiert – was etwa jeder dritten Geburt im Zeitraum von 2014 bis 2023 entspricht –, dass bei Frauen, denen diese Medikamente verschrieben wurden, eine signifikant erhöhte Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) bei ihren Kindern auftrat“, sagt er. Zunehmende Verordnung während der Schwangerschaft „Besonders besorgniserregend ist, dass die Anwendung dieser Medikamente während der Schwangerschaft stark zunimmt; sie hat sich im Jahrzehnt von 2014 bis 2024 mehr als verdreifacht“, berichtet Eric Peeples, außerordentlicher Professor in der Abteilung für Neonatologie des UNMC und Hauptautor sowohl der neuen wissenschaftlichen Übersichtsarbeit als auch einer früheren Publikation. Die im April in „Molecular Psychiatry“ veröffentlichte Studie ergab, dass die Verschreibung dieser Medikamente während der Schwangerschaft von 4,6 Prozent aller Schwangerschaften im Jahr 2014 auf 16,8 Prozent im Jahr 2023 angestiegen ist. Bemerkenswert ist, dass die 15 untersuchten Medikamente zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln in den USA zählen – mit mehr als 400 Millionen Verodnungen pro Jahr. Mirnics und seine Co-Autorin Zeljka Korade, Professorin am UNMC-Fachbereich für angeborene Stoffwechselerkrankungen bei Kindern, gehörten zu der Forschungsgruppe, die den dem fetalen Fentanyl-Syndrom zugrunde liegenden Mechanismus beschrieb – ebenfalls bedingt durch die Hemmung desselben biologischen Systems: der Sterolbiosynthese im sich entwickelnden Gehirn. Die Sorge, dass die Anwendung von SBIMs während der Schwangerschaft zu unerwünschten Folgen führen könnte, „ist nicht neu“, wie die Autoren in ihrer Arbeit feststellen. „In den von Pharmaunternehmen erstellten Packungsbeilagen werden die Risiken bei der Einnahme während der Schwangerschaft klar benannt“, heißt es in dem Artikel. „Obwohl diese Beilagen für Ärzte und Patienten leicht zugänglich sind, gehen die relevanten Daten in der Fülle der dort enthaltenen Informationen leider oft unter.“ Mirnics und seine Co-Autoren verweisen zudem auf die Abschaffung der FDA-Risikokategorien A, B, C, D und X für Medikamente in der Schwangerschaft im Jahr 2015 zugunsten von „narrativen Abschnitten und Unterabschnitten“. Ihrer Ansicht nach liefert dieser neue Ansatz zwar differenziertere Informationen, kann jedoch zu Verwirrung führen und sich für verschreibende Mediziner sowie für Patienten als kontraproduktiv erweisen. Weitere mögliche Langzeitfolgen werden diskutiert Mirnics vermutet, dass die von seinem Team untersuchten Fälle nur die Spitze des Eisbergs darstellen könnten. „Abgesehen von den offensichtlicheren Dysmorphien und Funktionsstörungen stellt sich die Frage, ob die Hemmung der fetalen Sterolbiosynthese auch zu anderen entwicklungsbedingten Erkrankungen führen kann – etwa Angststörungen, Zwangsstörungen (OCD) oder ADHS –, die sich erst viel später im Leben manifestieren. Es bedarf eindeutig weiterer Forschung, doch diese ernsten Bedenken sollten nicht ignoriert werden“, erklärt er. (lj/BIERMANN)
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