Hormonersatztherapie mit geringerem Demenzrisiko assoziiert

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Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann das Demenzrisiko senken, insbesondere bei bestimmten Gruppen von Frauen – so das Ergebnis einer Studie der University of East Anglia und der University of Exeter (England).

Für diese bislang größte Studie ihrer Art untersuchten Forschende mehr als 180.000 Frauen nach der Menopause in Großbritannien. Sie stellten fest, dass Frauen, die eine HRT angewendet hatten, ein geringeres Risiko hatten, an Alzheimer zu erkranken, verglichen mit Frauen, die diese Therapie nie genutzt hatten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Alzheimer’s & Dementia veröffentlicht.

Die Studie wurde von Prof. Anne-Marie Minihane geleitet, die an der Norwich Medical School der University of East ANglia (UEA) tätig und Direktorin des Norwich Institute for Healthy Aging an der UEA ist. Sie erklärt: „Demenz betrifft weltweit Millionen von Menschen, wobei Frauen fast zwei Drittel der Fälle von Alzheimer – der häufigsten Demenzform – ausmachen. Neben der höheren Lebenserwartung wird die höhere Prävalenz bei Frauen vermutlich auf die Auswirkungen der Menopause auf den Hirnstoffwechsel sowie darauf zurückgeführt, dass sich der wichtigste genetische Risikofaktor, APOE4, bei Frauen stärker auswirkt. Wir wollten besser verstehen, wie eine HRT Demenz vorbeugen kann, und untersuchen, ob bestimmte Frauengruppen unterschiedlich darauf ansprechen.“

Ablauf der Studie

Forschende analysierten Gesundheitsdaten aus der UK Biobank und beobachteten dabei 183.450 Frauen nach der Menopause über einen durchschnittlichen Zeitraum von 13,3 Jahren. In diesem Zeitraum wurden fast 4.000 Demenzfälle registriert. Die Studie untersuchte, ob die Anwendung einer HRT über mindestens ein Jahr mit dem Risiko für die Entwicklung einer Demenz zusammenhing und ob dieser Zusammenhang von biologischen und genetischen Faktoren beeinflusst wurde. Das Team berücksichtigte zudem weitere Faktoren, die das Demenzrisiko und die Anwendung einer HRT beeinflussen könnten, wie etwa das Alter, sozioökonomische Aspekte, andere gesundheitliche Probleme sowie die Einnahme von Medikamenten.

Bei Frauen, die eine HRT angewendet hatten, war das Risiko, an Demenz zu erkranken, um etwa 10 Prozent niedriger – das Risiko für die ALzheimer-Demenz sogar um 16 Prozent –, verglichen mit Frauen, die eine solche Therapie nie angewendet hatten. Dieser schützende Zusammenhang zwischen HRT und Demenz war jedoch nicht bei allen Frauen gleich.

Stärkerer Nutzen bei bestimmten Gruppen

Eine HRT war besonders für Frauen vorteilhaft, die eine chirurgisch herbeigeführte Menopause durchlaufen hatten – etwa nach der Entfernung der Eierstöcke. In dieser Gruppe war die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, bei Anwenderinnen einer HRT um etwa 26 Prozent geringer als bei Frauen, die keine solche Therapie erhielten. Zudem zeigte sich, dass Frauen, deren Körper im Laufe ihres Lebens von Natur aus weniger Östrogen produzierten – etwa weil ihre Menstruation erst spät einsetzte oder die Menopause früh begann –, offenbar stärker von einer HRT profitierten. Ihr Demenzrisiko lag unter der HRT um etwa 16 Prozent niedriger.

Auch die Genetik spielte eine Rolle. Der Zusammenhang zwischen der Anwendung einer HRT und Demenz war bei Frauen ausgeprägter, die die Genvariante APOE4 in sich trugen – einen bekannten Risikofaktor für Alzheimer. „Dies ist von großer Bedeutung, da Trägerinnen der APOE4-Variante typischerweise als Risikogruppe gelten und für sie weniger etablierte Präventionsmöglichkeiten existieren“, so Minihane.

Der Zeitpunkt könnte entscheidend sein

Auch das Alter, in dem die Frauen mit der HRT begannen, schien die Ergebnisse zu beeinflussen. Die größte Senkung des Demenzrisikos wurde bei Frauen beobachtet, die im Alter zwischen 46 und 56 Jahren mit der HRT begonnen hatten.

Dies stützt die Hypothese des sogenannten „kritischen Zeitfensters“ (Critical Window Hypothesis), der zufolge eine HRT einen größeren Nutzen bringen kann, wenn sie zeitnah zum Übergang in die Menopause und nicht erst in einem späteren Lebensabschnitt begonnen wird.

Wurde die HRT außerhalb dieses Altersbereichs begonnen, zeigte sich dieser positive Effekt nicht in gleichem Maße, was unterstreicht, wie wichtig der richtige Zeitpunkt bei hormonbasierten Behandlungen ist.

Implikationen für eine personalisierte Versorgung

„Unsere Ergebnisse liefern weitere Belege dafür, dass die Auswirkungen einer HRT auf die Gehirngesundheit komplex sind und von individuellen biologischen Faktoren beeinflusst werden“, erklärt Minihane. „Während eine HRT lange Zeit vor allem zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen verschrieben wurde, deutet diese Studie darauf hin, dass sie für manche Frauen auch eine Rolle bei der langfristigen kognitiven Gesundheit spielen könnte.“

Dem Forschungsteam zufolge bilden die aktuellen Ergebnisse die Grundlage für stärker personalisierte Ansätze bei der Verschreibung von HRT – unter Berücksichtigung der Art der Menopause, des genetischen Risikos, der lebenslangen Hormonexposition sowie des Alters bei Beginn der Therapie.

(lj/BIERMANN)

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