Menopausale Hormontherapie könnte vor Knochenschwund schützen15. Juni 2026 Frauen nach der Menopause sind einem höheren Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche ausgesetzt. Symbolbild: Olga/stock.adobe.com Postmenopausale Frauen weisen unter einer Hormontherapie möglicherweise ein deutlich geringeres Risiko für Osteopenie und Osteoporose auf. Darauf deuten Daten einer retrospektiven Kohortenstudie hin, die auf der Jahrestagung der Endocrine Society (ENDO 2026) in Chicago vorgestellt wurden. Frauen haben nach der Menopause ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Osteopenie oder Osteoporose. Beide Erkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Frakturen einher und können langfristig zu Einschränkungen der Selbstständigkeit und Lebensqualität führen. Aktuelle Daten legen sogar nahe, dass Osteoporose nach der Menopause das allgemeine Sterberisiko von Frauen erhöht. Eine Hormontherapie könnte das Risiko für Osteopenie und Osteoporose offenbar deutlich senken. Allerdings hätten viele Frauen bislang aufgrund von Sicherheitsbedenken und Warnhinweisen auf eine menopausale Hormontherapie verzichtet, erklärt Diego Espinoza-Peralta, Vizepräsident der Mexikanischen Gesellschaft für Ernährung und Endokrinologie (SMNE) sowie leitender Prüfarzt bei Investigación Médica Sonora (INMEDS). „Unsere Studie stellt diese Sichtweise erneut infrage und zeigt, dass die Therapie möglicherweise einen zusätzlichen wichtigen Nutzen bietet: den Schutz der Knochengesundheit. Damit verschiebt sich die Diskussion von ‚wenn möglich vermeiden‘ hin zu ‚bei geeigneten Patientinnen erneut in Betracht ziehen‘“, ergänzt Espinoza-Peralta, Leiter der aktuellen Studie. Deutlich geringeres Risiko für niedrige Knochendichte In die retrospektive Kohortenstudie wurden 387 postmenopausale Frauen eingeschlossen, die zwischen 2021 und 2025 mittels Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) untersucht worden waren. Ein Drittel der Teilnehmerinnen (33 %) erhielt eine menopausale Hormontherapie (MHT), während 67 Prozent keine entsprechende Behandlung bekamen. Als niedrige Knochenmineraldichte definierten die Forschenden das Vorliegen einer Osteopenie oder Osteoporose – was bei 48,1 Prozent der Teilnehmerinnen der Fall war. Die Auswertung zeigt, dass Frauen unter MHT an beiden untersuchten Skelettregionen eine signifikant höhere Knochenmineraldichte aufwiesen. An der Lendenwirbelsäule lag der mittlere T-Score bei hormonbehandelten Frauen bei −0,62 gegenüber −1,02 bei nicht hormonbehandelten Frauen (p < 0,001). Auch an der Hüfte zeigte sich eine höhere Knochenmineraldichte: Der mittlere T-Score betrug in der MHT-Gruppe −0,32, verglichen mit −0,81 in der Kontrollgruppe (p < 0,001). Die Daten entsprechen einem um etwa 69 Prozent geringeren Risiko für eine verminderte Knochenmineraldichte an Wirbelsäule und Hüfte bei Frauen unter MHT. Der Zusammenhang blieb auch nach Adjustierung für potenzielle Störfaktoren wie Alter, Zeit seit Eintritt der Menopause, Vitamin-D-Spiegel, Raucherstatus und Begleiterkrankungen bestehen. Bedeutung für die klinische Praxis „Vereinfacht ausgedrückt scheint die menopausale Hormontherapie die Knochen unabhängig von anderen Faktoren zu schützen – und nicht nur zufällig mit einer besseren Knochengesundheit assoziiert zu sein“, erläuterte Espinoza-Peralta. Die Beobachtungsstudie liefert zwar keine kausalen Belege. Dennoch legen die Ergebnisse nahe, dass eine menopausale Hormontherapie neben der Linderung von Beschwerden auch dazu beitragen könnte, einem Verlust an Knochenmasse vorzubeugen und das Frakturrisiko zu senken. „Ärztinnen und Ärzte sollten die Vorteile der Hormontherapie künftig sorgfältiger gegen mögliche Risiken abwägen, insbesondere bei Frauen in den ersten Jahren nach der Menopause“, so Espinoza-Peraltas Appell. Dies könnte langfristig die Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Frauen verbessern. (mkl/BIERMANN)
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