EASD 2026 Gestationsdiabetes: Typ-2-Diabetes nicht nur häufiger, sondern auch früher und schwerer8. September 2026 Bild: nataliaderiabina/stock.adobe.com Frauen, die während einer Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes entwickeln, erkranken später im Durchschnitt fast 13 Jahre früher an Typ-2-Diabetes als Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes. Zudem benötigen sie häufiger bereits kurz nach der Diagnose eine Insulintherapie. Zahlreiche frühere Studien haben gezeigt, dass Frauen mit einem vorausgegangenen Gestationsdiabetes langfristig ein deutlich erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes haben. So entwickelt fast die Hälfte der Frauen mit Gestationsdiabetes innerhalb von zehn Jahren einen Typ-2-Diabetes. Dr. Maria Houborg Petersen vom Steno Diabetes Center Odense (SDCO) und ihre Kolleg:innen aus Odense und Aarhus (Dänemark) untersuchten nun, ob ein vorausgegangener Gestationsdiabetes auch mit einem schwereren Verlauf des späteren Typ-2-Diabetes verbunden ist. Im Fokus standen dabei insbesondere das Alter bei Erkrankungsbeginn, Folgeerkrankungen und der Einsatz von Medikamenten. Ihre Ergebnisse werden auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) vom 28. September bis 2. Oktober in Mailand (Italien) vorgestellt. Typ-2-Diabetes tritt knapp 13 Jahre früher auf Für die Studie wurden Frauen aus der dänischen DD2-Kohorte (Danish Centre for Strategic Research in Type 2 Diabetes) berücksichtigt, bei denen nach 2010 ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden war und die laut dänischem Nationalen Patientenregister zuvor schwanger gewesen waren. Insgesamt umfasste die Analyse 2.865 Frauen. Davon hatten 173 zuvor einen Gestationsdiabetes, während bei 2.692 Frauen kein Gestationsdiabetes dokumentiert war. Frauen mit vorausgegangenem Gestationsdiabetes erhielten ihre Typ-2-Diabetes-Diagnose im Median bereits im Alter von 43,5 Jahren. Bei Frauen ohne früheren Gestationsdiabetes lag das mediane Diagnosealter dagegen bei 56,3 Jahren – ein Unterschied von fast 13 Jahren. Zudem entwickelten rund 40 Prozent der Frauen mit vorausgegangenem Gestationsdiabetes ihren Typ-2-Diabetes bereits vor dem 40. Lebensjahr. In der Vergleichsgruppe waren es lediglich sechs Prozent. Häufiger Insulintherapie erforderlich Auch beim Schweregrad der Erkrankung gibt es womöglich Unterschiede. Zum Zeitpunkt der Aufnahme in die DD2-Kohorte erhielten 10,4 Prozent der Frauen mit vorausgegangenem Gestationsdiabetes bereits Insulin, verglichen mit 5,2 Prozent der Frauen ohne Gestationsdiabetes. Außerdem lagen die nüchtern gemessenen C-Peptid-Werte bei Frauen mit früherem Gestationsdiabetes niedriger (Median: 1.068 pmol/l versus 1.195 pmol/l). Dies spricht für eine geringere körpereigene Insulinproduktion und damit möglicherweise für einen schwereren Typ-2-Diabetes. Keine deutlichen Unterschiede bei Begleiterkrankungen Body-Mass-Index (BMI) und Blutzuckerkontrolle, gemessen anhand von HbA1c und Nüchternplasmaglukose, waren hingegen in beiden Gruppen vergleichbar. Auch bei den untersuchten Ersatzmarkern für Insulinproduktion und Insulinsensitivität zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede. Auch bei den Prävalenzen von Nephropathie, Neuropathie und kardiovaskulären Erkrankungen zeigten sich keine Unterschiede. Zwar fanden die Forschenden einen statistisch signifikanten Unterschied bei der diabetischen Retinopathie. Jedoch ließ die sehr geringe Fallzahl keine Beurteilung zu, ob dieser Unterschied klinisch relevant ist. Engmaschige Nachsorge nach Gestationsdiabetes „Frauen mit einem Gestationsdiabetes in der Vorgeschichte haben nicht nur ein deutlich erhöhtes Risiko für einen späteren Typ-2-Diabetes. Sie entwickeln diesen im Durchschnitt auch mehr als ein Jahrzehnt früher als Frauen ohne entsprechenden Schwangerschaftsverlauf”, schlussfolgern die Autor:innen. Zudem benötigen sie zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose häufiger eine Insulintherapie. Dies könne auf eine schwerere Form des Typ-2-Diabetes hindeuten und möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen verbunden sein. Die Ergebnisse unterstreichen nach Ansicht der Autor:innen daher die Notwendigkeit einer engmaschigen Nachsorge für Frauen, die einen Gestationsdiabetes hatten. (mkl/BIERMANN) Mehr zum Thema Gestationsdiabetes: Gestationsdiabetes: Hinweise auf enge genetische Verbindung zu Typ-2-Diabetes Gestationsdiabetes erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes – selbst bei Normalgewicht
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