Welttag “Wechseljahre am Arbeitsplatz”

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Die Deutsche Menopause Gesellschaft e.V. fordert zum Welttag „Wechseljahre am Arbeitsplatz“ mehr Beachtung des Themas in Unternehmen und eine engere Verzahnung von Gynäkologie, Arbeitsmedizin sowie weiteren ärztlichen Fachrichtungen.

Schlafstörungen, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen oder Gelenkschmerzen sind nur einige von vielen Symptomen, die in den Wechseljahren auftreten können. Am Arbeitsplatz fallen solche Beschwerden oft erheblich ins Gewicht. Wer schlecht schläft, kann sich schlechter konzentrieren und ist schneller gereizt. Hitzewallungen tragen zusätzlich zur Verminderung der Leistungsfähigkeit bei. Auch Schmerzen und Einschränkungen am Bewegungsapparat können die Arbeit erschweren.

„Die Wechseljahre betreffen den gesamten Alltag – und damit auch den Arbeitsplatz“, sagt Dr. Katrin Schaudig, Präsidentin der DMG aus Hamburg. „Daher brauchen Frauen nicht nur eine gute gynäkologische und hausärztliche Beratung. Auch auf der Arbeit müssen bessere Rahmenbedingungen und eine Offenheit für die Herausforderungen vorhanden sein, um betroffene Frauen zu entlasten.“ Dr. Annette Bachman, Vorstandsmitglied der DMG, ergänzt: „Die DMG hat hierfür eine eigene Arbeitsgruppe gegründet.“ Dr. Claudia Barthelmes, Fachärztin für Arbeitsmedizin, ist Teil dieser Arbeitsgruppe und fügt hinzu: „Strategien zur Verbesserung der Situation sind dringend notwendig – wir arbeiten intensiv daran.“

Volkswirtschaftliche Kosten und Unterstützungsmöglichkeiten

Gemäß einer Hochrechnung der HWR Berlin 2024 gehen der Volkswirtschaft jährlich 9,4 Milliarden Euro aufgrund des Produktivitätsausfalls durch wechseljahresbedingte eingeschränkte Leistungsfähigkeit verloren. Relevant am Arbeitsplatz betroffen sind mindestens ein Drittel der Frauen im Wechseljahresalter. Rund zehn Prozent der unter 55-jährigen Frauen gehen deswegen früher in Rente, bei den über 55-jährigen sind es rund 20 Prozent.

Wären Unterstützungsmöglichkeiten bekannt und würden passend zu den jeweiligen Tätigkeitsbereichen der betroffenen Frauen umgesetzt, könnten viele dieser negativen Auswirkungen verringert werden. Vor allem eine wertschätzende Kommunikation bietet einen wesentlichen und leicht umsetzbaren ersten Schritt: Führungskräfte, welche die Herausforderungen der Wechseljahre verstehen und Frauen mit sinnvollen Maßnahmen unterstützen, sind bei Beschwerden sehr wichtig. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von leicht umsetzbaren Optionen wie atmungsaktive Arbeitskleidung, Rückzugsmöglichkeiten oder – wo möglich – flexible Arbeits- und Pausenzeiten sowie arbeiten im Homeoffice.

Verständnis und Ansprechpartner im Unternehmen

Rund um die Wechseljahre herrscht oft noch ein erheblicher Wissensmangel: Frauen ordnen die ersten Symptome eher ihrem beruflichen und familiären Stress als den beginnenden Wechseljahren zu. Und auch Ärztinnen und Ärzte erkennen die starken hormonellen Schwankungen vor dem Ausbleiben der Regelblutung oftmals noch zu wenig als Ursache dafür. Führungskräfte können sich die Arbeitsplatzrelevanz dieser Lebensphase häufig nicht vorstellen, ebenso wenig wie ihre Einflussmöglichkeiten auf die Schwere der Beschwerden und die damit verbundene Arbeitsfähigkeit. Betriebsärztinnen und -ärzte nutzen die arbeitsmedizinischen Handlungsmöglichkeiten viel zu wenig, durch die Ausfälle, Stundenreduzierungen und Frühberentungen verhindert werden könnten.

Deshalb ist es wichtig, in Unternehmen ein Grundverständnis für die Herausforderungen am Arbeitsplatz zu schaffen. Geschulte Führungskräfte und Gleichstellungsbeauftragte können als geeignete Ansprechpartnerinnen und -partner bereitstehen, aber auch Betriebsärztinnen und -ärzte, die der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen. Sie können beraten und bei einer betrieblichen Eingliederung (BEM) unterstützen. Immer mehr Unternehmen haben den Bedarf bereits erkannt und bieten ihren Mitarbeiterinnen Informationsveranstaltungen von Expertinnen und Experten an. Sehr bewährt haben sich individuelle Beratungsangebote durch spezialisierte Ärztinnen und Ärzte innerhalb der Unternehmen. „Der Arbeitsplatz ist ein wichtiger Teil der Lebenswirklichkeit von Frauen in der Lebensmitte. Wenn medizinische Beratung und betriebliche Unterstützung besser ineinandergreifen, können betroffene Frauen gezielter Hilfe finden“, sagt die DMG-Präsidentin Schaudig. Barthelmes ergänzt: „Hier sind Betriebsärztinnen und -ärzte als vermittelnde Personen wichtig, die Frauen frühzeitig auf die gynäkologische Unterstützung hinweisen und geeignete Arbeitsplatzverbesserungen anstoßen könnten. Dazu müssen sich sie sich aber mit dem Thema auskennen.“

Kostenfreie DMG und VDBW-Angebote

Die Aktionen rund um den Welttag für „Wechseljahre am Arbeitsplatz“ sollen Strategien fördern, mit denen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Führungskräfte, Gesundheitsberufe und betroffene Frauen Arbeitsumfelder wechseljahresfreundlicher gestalten können. Die DMG weist auf Informationsmaterialien hin, die über die untenstehenden Links zum Download bereitstehen. Am 1. Oktober 2026 bietet der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte von 19 bis 20 Uhr ein kostenfreies Webinar an, in dem Barthelmes zum Thema „Wechseljahre am Arbeitsplatz erfolgreich managen“ spricht. Das Angebot richtet sich an Betriebsärztinnen und -ärzte und interessierte Mediziner*innen aller Fachrichtungen. Sie zeigt darin auf, wie eine optimale ärztliche und betriebliche Unterstützung bei Beschwerden am Arbeitsplatz aussehen kann. Durch diesen fachübergreifenden Einblick könnten betroffene Frauen besser beraten und unterstützt werden: https://www.vdbw.de/fortbildung/veranstaltung/wechseljahre-am-arbeitsplatz-erfolgreich-managen

Darüber hinaus gibt es regelmäßig kostenfreie Online-Veranstaltungen von Expertinnen und Experten der DMG. Unter dem Motto „Wissen macht cool“ können sich Laien und Fachleute zu unterschiedlichen Fragestellungen im Zusammenhang mit Wechseljahren informieren. Die Veranstaltungen werden vom Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) unterstützt. Der nächste Termin findet am 23. September 2026 von 18 bis 19 Uhr zum Thema „Hormone und Krebs“ statt. Die Aufzeichnungen sind im Nachgang auf der Website https://www.menopause-gesellschaft.de/ abrufbar, darunter auch jene zum Thema „Menopause und Arbeitsplatz“.