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Liebe Leserinnen und Leser,
gerade erst haben Patientenvertreter das PSA-Screening auf Prostatakrebs (erneut) vor die Pforten der Gesetzlichen Krankenversicherung gebracht (vgl. Kompakt Urologie 4/2025, S. 3) – da kommt aus der Forschung schon ein neuer Kandidat zur Erkennung von Prostatakrebs im Blut. Es handelt sich um zwei microRNAs, kleine Nukleinsäuren zur Regulation der Expression des Enzyms Glutathion-S-Transferase, die bei Krebserkrankungen oft stummgeschaltet ist. Spezifität und Sensitivität für die PCa-Erkennung erreichen traumhafte Werte, und nutzt man beide miRNAs in einem Zweier-Panel gleichzeitig, so ergeben sich in der ROC-Analyse Werte, bei denen man sich die Augen reibt. Hiergegen sieht PSA, das ja eigentlich einen Gewebemarker darstellt, alt aus. Allerdings beruhen die Ergebnisse zunächst nur auf 86 Proben und einem Abgleich mit einem weiteren unabhängigen Datensatz. Bis sich ein möglicher Nutzen bestätigt, wie etwa für die microRNA371a-3p zur Erkennung von Rückfällen bei testikulären Keimzelltumoren im klinischen Stadium I, werden wohl noch viele Jahre vergehen. Übrigens: Im vergangenen Jahr wurde der Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung der microRNAs vergeben – der diesjährige Preis betrifft die Immunsystemforschung (s. unter „Personalien“).
Doch zurück in die nähere Zukunft: Wenn das PSA- und MRT-basierte risikoadaptierte Prostatakrebs-Screening beim Gemeinsamen Bundesausschuss tatsächlich durchkommt, so endet damit eine lange Geschichte von Entdeckung, Euphorie, Verurteilung und Wiederauferstehung – Stoff genug für einen Kinofilm oder gar eine moderne Streaming-Serie. Die Auswirkungen des dunklen Kapitels der noch nicht lange vergangenen Ära, in der von der PSA-Bestimmung sogar abgeraten wurde, zeigt aktuell eine Studie aus Australien: Wie bereits in anderen Ländern kommen auch die Wissenschaftler „down under“ zu dem Ergebnis, dass die Negativempfehlung zu einer Stadienmigration geführt hat. „Das PSA-Bashing der 2000er-Jahre, an dem sich ja auch in Deutschland nicht wenige, oft selbsternannte ‚Experten‘ beteiligt haben, hat sicher und weltweit zu zahlreichen vermeidbaren Prostatakarzinomtodesfällen geführt“, kommentiert Prof. Michael Stöckle, Herausgeber von KOMPAKT UROLOGIE.
Eine instruktive Lektüre und eine gute Woche wünscht Ihnen
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