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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Urologie,
die Mathematik sei für ihn ein „zusätzliches Sinnesorgan“, so begründete der Mathematik-Dozent aus dem Kölner Institut während meines Grundstudiums die Wahl seines Faches. So ungeliebt die Stunden damals waren, die Wissenschaft zeigt immer wieder, dass er recht hatte. Das zusätzliche Sinnesorgan erlaubt es zum Beispiel, in eine virtuelle Prostata zu blicken und dort etwa die Evolution von Tumor-Subklonen zu untersuchen – so wie Kölner Mathematiker es jetzt berechnet haben.
Ganz praktische Probleme haben US-Wissenschaftler in einer randomisierten Studie untersucht: Hat die transperineale Prostatabiopsie beim Verdacht auf Prostatakrebs Vorteile gegenüber dem traditionellen transrektalen Verfahren? Offenbar ja: Bei gleicher Krebserkennungsrate traten weniger Infektionen auf (nämlich gar keine), obwohl nicht einmal eine Prophylaxe angewendet wurde.
Praktische Probleme betraf auch ein höchst interessantes Forum auf dem diesjährigen 76. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie: Komplikationen am unteren Harntrakt nach strahlentherapeutischen Maßnahmen. Wie schlimm diese Komplikationen tatsächlich sind, darüber herrscht naturgemäß Uneinigkeit zwischen Urologen und Strahlentherapeuten und die Studienlage ist heterogen. Unstrittig ist jedoch, „eine gewisse erhöhte Rate an Zweitmalignomen“, wie es selbst der Strahlentherapeut sagte, der beim Urologenkongress „in den Boxkampf“ (O-Ton) einstieg.
Reibereien gibt es auch gelegentlich zwischen Urologen und Gynäkologen, besonders, was die Operationstechniken betrifft. Was die Sakrozervikopexie beim apikalen Genitalprolaps betrifft, haben aktuell die Gynäkologen die Nase vorn: Diese haben am Universitätsklinikum Bonn im Juni die nach ihren Angaben weltweit erste roboterassistierte Operation mit einer körpereigenen Sehne durchgeführt. Nach inzwischen zehn solcher Operationen seien die Ergebnisse gut, berichten sie.
Noch ein Schwenk zur Politik: Morgen wird sich entscheiden, ob die Krankenhausreform von Prof. Karl Lauterbach (SPD) unverändert in Kraft tritt oder nicht – wenn nämlich der Bundesrat den Vermittlungsausschuss anruft. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft bietet vorher noch einmal alles auf, damit der Bundesrat diesen Schritt auch geht. In der jetzigen Form werde das Vorhaben „existenzbedrohende Auswirkungen“ nach sich ziehen, so eine aktuelle Auswirkungsanalyse. Eine Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts und eine DKG-eigene Umfrage bieten ebenfalls keine rosigen Aussichten.
Eine schöne und erfolgreiche Woche wünscht Ihnen
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