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Liebe Leserinnen und Leser,
„die Rente ist sicher“, sagte einst Norbert Blüm von der CDU (kennt den noch jemand?) – der jetzige Bundeskanzler würde sich wohl freuen, wenn es so wäre. „Die Aktive Überwachung bei Prostatakrebs ist sicher“, sagt die PRIAS-Studie. Zumindest für Gradgruppe 1 kann man dem nach 15 Jahren Nachbeobachtungszeit wohl mehr Glauben schenken als den Beteuerungen aus der Politik. Doch auch die Ergebnisse der PRIAS-Studie können kritisch hinterfragt werden. So ist KOMPAKT-UROLOGIE-Herausgeber Prof. Michale Stöckle davon überzeugt, dass bei Prostatakarzinomstudien mit kurativer Indikation die Nachbeobachtungszeiten fast immer zu kurz sind, wie er im Editorial der aktuellen Ausgabe schreibt: „Von der Bill-Axelson-Studie (Prostatektomie vs. Watchful Waiting) wissen wir ja, dass es erst nach (deutlich) mehr als 15 Jahren richtig spannend wird.“
Umso kurioser, dass die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems (Österreich) nach nur zwei Jahren Behandlung mit fokussiertem Ultraschall bereits behauptet, den Krebs „wirksam kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen erhalten“ zu können, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit nur um eine Machbarkeitsstudie, und die „neue, hochpräzise Ultraschallmethode“ verwendet das System Focal One, das so neu nun auch wieder nicht ist. In dem frei verfügbaren Text ist auch nicht von einer neuen Version die Rede.
Weiter geht es mit der Prostatakrebs-Comedy: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen sieht keinen Zusatznutzen von Darolutamid gegenüber Apalutamid beim metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom. Der Grund ist schlicht, dass der Hersteller keine Studie dazu vorgelegt, sondern aus vorhandenen Placebo-Studien nur indirekt Daten berechnet habe. Grund genug für das Bewertungsinstitut, den Zeigefinger zu heben – doch welcher Hersteller überprüft schon sein Medikament gegenüber dem Konkurrenzpräparat?
Schmunzeln musste ich auch über die Pressemitteilung des Klinikbetreibers Asklepios zum 15. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Roboter-assistierte Urologie. Sicher ist es beachtlich, dass von Hamburg aus quer über den Globus OP-Roboter gesteuert und Operationen erfolgreich durchgeführt wurden. Dass dadurch aber „hochspezialisierte Eingriffe auch dort verfügbar“ sein sollen, „wo Expertinnen und Experten bislang fehlen“, wie Kongresspräsident Prof. Christian Wülfing sagte, mutet doch etwas utopisch an. Schließlich ist dafür eine hochmoderne Glasfaser- und Mobilfunk-Infrastruktur (5G) notwendig, und die wird es etwa im ländlichen China oder in einem griechischen Bergdorf wohl kaum geben – sodass der Prostatakrebs-Patient dann eben doch den beschwerlichen Weg in die nächste Spezialklinik antreten muss. Mit der gegenwärtigen Technologie möchte ich zumindest nicht unter dem DaVinci-Messer liegen, wenn gerade das nächste System-Update heruntergeladen wird.
Diesmal wünscht Ihnen besonders viel Spaß beim Lesen:
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