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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Urologie,
künstliche Intelligenz, Fertilitätsprotektion, Erektile Dysfunktion und die Gesundheit transsexueller Menschen waren wichtige Themen bei der 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie (DGA) in Köln. Doch auch die Berufspolitik kam nicht zu kurz: Die DGA will gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie und dem Berufsverband der Deutschen Urologie erreichen, dass Andrologie nicht länger ein teures Hobby für die darauf spezialisierten Ärzte bleibt.
Zwei uroonkologische Publikationen in den letzten Ausgaben des „New England Journal of Medicine“ lassen aufhorchen. Eine Studie aus Schweden zeigt, dass ein PSA-Screening, bei dem sich nach einem auffälligen PSA-Wert nur dann eine Biopsie anschließt, wenn Läsionen in der MRT zu sehen sind, einen Großteil der Überdiagnostik vermeidet. Dieses Konzept verzichtet komplett auf eine systematische Biopsie. Natürlich erkauft man einen Verzicht auf Überdiagnostik immer mit einer gewissen Anzahl übersehener Befunde. Jonas Hugosson und Kollegen bewerten ihr Konzept als sicher, auch wenn bei zusätzlicher systematischer Biopsie acht fortgeschrittene oder risikoreiche Karzinome mehr entdeckt wurden.
Die andere, am 14.11.2024 in der Ausgabe 19 erschienene Publikation betrifft die NIAGARA-Studie, die auch schon beim diesjährigen Kongress der European Society for Medical Oncology vorgestellt wurde (wir berichteten). Thomas Powles und Kollegen berichten hier über vorteilhafte Ergebnisse mit perioperativem Durvalumab plus neoadjuvanter Chemotherapie bei Cisplatin-geeigneten Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs. Doch nicht alle sind von dem Fortschritt überzeugt. Kompakt-Urologie-Herausgeber Prof. Michael Stöckle etwa gibt in seinem aktuellen Editorial zu bedenken, „ob es wirklich die Kombination aus Vor- und Nachbehandlung vor und nach Zystektomie braucht, oder ob nicht auch die Nachbehandlung allein gereicht hätte, um zum gleichen Ergebnis zu kommen“. Die „Frage der Sinnhaftigkeit der neoadjuvanten Therapie“ ist für den ehemaligen Direktor der urologischen Universitätsklinik des Saarlandes „keineswegs vom Tisch“: „Keine einzige Einzelstudie konnte für sich allein jemals einen absolut überzeugenden Benefit der neoadjuvanten Chemotherapie belegen“, stellt Stöckle fest.
Zuletzt darf natürlich ein Hinweis auf das wichtigste gesundheitspolitische Ereignis dieser Woche nicht fehlen: Der Bundesrat hat die umstrittene Krankenhausreform von Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) angenommen. Dies ging allerdings nicht ohne Turbulenzen und Nachbeben vonstatten …
Viel Spaß beim Lesen und eine gute Woche wünscht Ihnen
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