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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt VetMed,
als ich anfing in einer Kleintierpraxis zu arbeiten, stieß ich nach einer gewissen Zeit auf „beratungsresistente“ Tierbesitzer, wie es den Anschein hatte. Ich wusste aus eingehender Lektüre, was therapeutisch im Optimalfall für das erkrankte Tier zu tun war, und es war mir eine Herzensangelegenheit, dies den uneinsichtigen Tierhaltern zu vermitteln. Doch ich stieß auf Granit. Was tut man in so einer Situation? Genau, sich erstmal nach Herzenslust über die Tierhalter auslassen. Damit handelte ich mir folgenden Kommentar meiner Chefin ein: „Wollen Sie sich auf’s Jammern verlegen, oder wollen Sie das Problem lösen? Das ist die Welt, in der wir leben. Das ist das Problem, das sich Ihnen stellt. Entscheiden Sie sich!“ Für den Bruchteil einer Sekunde glotzte ich sie entgeistert an, doch dann wurde mir klar, dass sie recht hatte mit ihrer Darstellung des Sachverhaltes. Wenn das die Gegebenheiten sind, mit denen ich klarkommen muss, dann werde ich das Beste daraus machen, um dem Tier allen Widerständen zum Trotz bestmöglich zu helfen. Und damit auch den Menschen. Mit diesem mental umgelegten Schalter war es mir möglich, die Situation anzunehmen und den Fall konstruktiv anzugehen. Ich habe mich noch oft an diese so prägnant formulierten Worte erinnert.
Sich bestmöglich auf veränderte Umstände einstellen, egal wie schwierig sie erscheinen mögen, ist auch in diesen Zeiten unausweichlich. Das gilt wohl auch im Hinblick auf das Borna Disease Virus 1 (BoDv-1) und Igel, bei denen eine Infektion mit BoDV-1 in Bayern jüngst nachgewiesen wurde. Bisher gilt die Feldspitzmaus als einziger bekannter Überträger von BoDV-1 auf Menschen. Ob auch der Igel wie andere Spezies als Sackgassenwirt fungiert, oder womöglich in seltenen Fällen doch eine Übertragung durch infizierte Igel möglich ist, wird derzeit untersucht. Um die liebenswerten Stacheltiere vor Kurzschlussreaktionen zu schützen, ist es sicher von Vorteil, verängstigte Tier-/Gartenbesitzer gut aufzuklären. Zum Glätten der Wogen beitragen kann die Tatsache, dass das BoDV-1 aktuellen Studien zufolge nur lokal begrenzt vorkommt, was in den allermeisten Fällen bereits zur Entspannung führen sollte. Und zum anderen empfehlen Experten ohnehin beim Kontakt mit Wildtieren, Maßnahmen zum Selbstschutz und eine gute Hygiene walten zu lassen. Dann sollte es auch weiterhin mit dem Igelschutz klappen.
Eine interessante Lektüre und eine gute Zeit in diesen stürmischen Herbsttagen wünscht Ihnen
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