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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt VetMed,
in einem eindringlichen Appell richtet sich die Lancet-One-Health-Kommission, eine Gruppe von 40 internationalen Expertinnen und Experten aus Medizin, Veterinärwissenschaften, Umweltforschung, Sozialwissenschaften und Ökonomie, an Regierungen, Wirtschaft und internationale Organisationen und fordert sie zum sofortigen Umdenken auf. Denn nur ein konsequenter „One-Health“-Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam betrachtet, könne die überbordenden Gesundheitskrisen durchbrechen, die die Welt beschäftigen. „Gesundheit ist kein isoliertes medizinisches Problem. Sie entsteht in komplexen Ökosystemen“, sagt Prof. Jürgen May, vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) und Mitglied der Kommission. Passend zum Thema findet sich im heutigen Newsletter auch eine Übersichtsarbeit, in der erstmals die europaweiten Fallzahlen der alveolären Echinokokkose ermittelt wurden. Die insgesamt seltene Erkrankung ist in den meisten europäischen Ländern meldepflichtig – dennoch werden viele Fälle nicht entdeckt oder nicht offiziell registriert, wie das Review verdeutlicht.
Zwei weitere Meldungen befassen sich damit, welch großen Beitrag Hunde beziehungsweise Tiere für die menschliche Gesundheit leisten können, so etwa beim Einsatz in Diagnostik und Therapie von Parkinsonpatienten oder in Seniorenheimen. Durch ihren unmittelbaren Zugang zu den fundamentalen Dingen des Lebens und ihr vorbehaltloses Agieren bauen Tiere uns Menschen – gerade wenn in unserem eigenen Kosmos nicht alles läuft, wie gewünscht und wir uns am „Dasein“ quälen – eine Brücke zum Jetzt und Hier. Rainer Maria Rilke beschreibt dies in seiner achten Elegie, die so beginnt: „Mit allen Augen sieht die Kreatur das Offene. Nur unsre Augen sind wie umgekehrt …“ Im Hochsommer, wenn die Natur unaufhaltsam auf den Kipppunkt zuläuft, ist unsere eigene Vergänglichkeit am deutlichsten zu spüren und dies mit jedem Lebensjahr ein Stückchen stärker. Ausmalen, wie sich das im hochbetagten Alter einmal anfühlen wird, möchte ich mir besser nicht. Da stöbere ich dann doch lieber in den aktuellen Nachrichten und bleibe prompt an einer ungewöhnlichen Meldung hängen: In einer Kita hat eine mit Tollwut infizierte Fledermaus für Turbulenzen gesorgt. Was es damit auf sich hat, lesen Sie in unseren Kurznachrichten.
Eine gute Lektüre und unbeschwerte Sommertage wünscht Ihnen
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