Nicht nur negativ: Videospiele verbessern die kognitive Leistung bei Kindern

Videospiele: Für Kinder faszinierend, für Eltern meist ein rotes Tuch. (Foto: © rangizzz – stock.adobe.com)

Zahlreiche Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen Videospielen und dem späteren Anstieg von aggressivem Verhalten bei Kindern festgestellt. Nun deutet eine Studie darauf hin, dass die bei Kindern beliebte Freizeitbeschäftigung auch positive Effekte hat.

So zeigen die Ergebnisse einer US-amerikanischen Fall-Kontroll-Studie mit 2217 Kindern, die im Rahmen der nationalen Adolescent Brain Cognitive Development(ABCD)-Study durchgeführt wurde, dass die kognitiven Leistungen von Kindern, die Videospiele spielten, besser waren als die von Kindern, die nicht spielten.

Die Forscher um Bader Chaarani von der Universität Vermont in Burlington untersuchten mithilfe aufgabenbasierter funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) die kognitiven Leistungen und das vom Sauerstoffgehalt des Blutes abhängige Signal (BOLD) bei Videospielern (VGs) und Nicht-Videospielern (NVGs) bei Aufgaben zur Reaktionshemmung und des Arbeitsgedächtnisses.

Die neun- und zehnjährigen Kinder (mittleres Alter 9,91±0,62 Jahre) wurden an 21 Standorten in den USA über öffentliche und private Grundschulen rekrutiert, wobei die demografische Variation in der US-Bevölkerung berücksichtigt wurde. In die Studie eingeschlossen wurden Kinder, für die vollständige Bildgebungs- und Verhaltensdaten vorlagen. Zu den Ausschlusskriterien gehörten übliche MRT-Kontraindikationen, schwere neurologische Störungen in der Vorgeschichte und traumatische Hirnverletzungen in der Vorgeschichte. Wie viel Zeit die Kinder mit Videospielen verbrachten, wurde mithilfe von Fragebögen ermittelt.

Insgesamt nahmen 2217 Kinder an der Studie teil, die etwa im Verhältnis 2:1 den Gruppen der Nichtspieler (0 Spielstunden/Woche) und der Spieler (>21 Stunden/Woche) angehörten. Im Ergebnis schnitten VGs bei beiden fMRI-Aufgaben besser ab als NVGs. Nichtparametrische Analysen der fMRI-Daten zeigten bei VGs ein größeres BOLD-Signal im Precuneus während der inhibitorischen Kontrolle. Bei Aufgaben des Arbeitsgedächtnisses wurde bei VGs ein kleineres BOLD-Signal in Teilen des okzipitalen Kortex und des calcarinen Sulcus und ein größeres BOLD-Signal in den cingulären, mittleren und frontalen Gyri und im Precuneus beobachtet.

Die Autoren schlussfolgern daraus, dass Kinder, die Videospiele spielen, im Vergleich zu Nichtspielern eine bessere kognitive Leistung bei der Reaktionshemmung und dem Arbeitsgedächtnis sowie ein verändertes BOLD-Signal in Schlüsselregionen des Kortex aufweisen, die für die visuelle Verarbeitung, die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis zuständig sind. Entsprechend könnten Videospiele die kognitiven Fähigkeiten im Bereich der Reaktionshemmung und des Arbeitsgedächtnisses verbessern und die zugrunde liegenden kortikalen Bahnen verändern.