Nicht transfusionsabhängige a- oder b-Thalassämie: Mitapivat als orale Therapieoption geeignet10. Oktober 2025 Bild: ©gamerxtc – stock.adobe.com Mitapivat bietet erstmals eine orale Therapieoption für Erwachsene mit nicht transfusionsabhängiger α- oder β‑Thalassämie. Die Phase‑III‑Studie ENERGIZE zeigt, dass der Pyruvatkinase‑Aktivator die Hämoglobinkonzentration signifikant erhöht und Fatigue reduziert – bei guter Verträglichkeit. Die nicht transfusionsabhängige (NTD) Thalassämie ist durch eine ineffektive Erythropoese und hämolytische Anämie gekennzeichnet − Langzeitkomplikationen, eingeschränkte Lebensqualität und frühzeitige Mortalität sind die Folge. Für die β-Thalassämie sind laut den Autoren der aktuellen Studie ENERGIZE keine oralen krankheitsmodifizierenden Therapien zugelassen, für die α-Thalassämie überhaupt keine Wirkstoffe. Daher untersuchte das Team um Prof. Ali T. Taher vom American University of Beirut Medical Center die Wirksamkeit und Sicherheit von Mitapivat, einem oralen Aktivator der Pyruvatkinase, bei Erwachsenen mit NTD-α oder NTD-β-Thalassämie. Sein Fazit: „Mitapivat könnte eine neue orale Behandlung für Erwachsene mit NTD-α-Thalassämie oder NTD-β-Thalassämie darstellen, indem es die Hämoglobin-Konzentration erhöht und Fatigue lindert.“ ENERGIZE: Eine internationale, multizentrische Phase-III-Studie Die doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie der Phase III mit anschließender unverblindeter Fortsetzung wurde an 70 Krankenhäusern in 18 Ländern weltweit durchgeführt. Geeignet waren Erwachsene mit NTD-α – oder NTD-β-Thalassämie und einem Hämoglobinwert ≤10 g/dl. In ENERGIZE wurden von 235 gescreenten Patienten 194 (123 Frauen [63 %], 71 Männer [37 %]) 2:1 randomisiert für Mitapivat (n=130; 100 mg oral 2-mal täglich für 24 Wochen) oder Placebo (n=64). Dabei wurde stratifiziert nach Hämoglobin-Ausgangskonzentration und Thalassämie-Genotyp (08.11.2021–31.03.2023). Alle Beteiligten waren bzgl. der Behandlungszuteilung verblindet, bis die Studie für die Analyse des primären Endpunktes entblindet wurde. Als primären Endpunkt hatten die Autoren das Ansprechen des Hämoglobinwertes definiert (≥1,0 g/dl Anstieg der mittleren Hämoglobinkonzentration von Woche 12 bis Woche 24 vs. Ausgangswert), analysiert bei allen randomisierten Patienten. In jeder Gruppe wurde ein Patient nicht behandelt und daher aus der Sicherheitsanalyse ausgeschlossen (129 mit Mitapivat, 63 mit Placebo). Wie die Autoren berichten, brachen in der Mitapivat-Gruppe 7 Patienten und einer in der Placebo-Gruppe die Behandlung vor dem Ende der 24-wöchigen Doppelblindphase ab. Ansprechen des Hämoglobin-Wertes bei 42 Prozent der Behandelten Ein Ansprechen des Hämoglobin-Wertes zeigten 55/130 Patienten in der Mitapivat-Gruppe (42 %) vs. 1/64 (2 %) in der Placebo-Gruppe (mittlere Differenz nach der Methode der kleinste Quadrate 41 % (95 %-KI 32-50], p2-eitig<0,0001). Unerwünschte Ereignisse (UE) beobachtete das Team bei 10/129 Patienten, die Mitapivat erhielten (83 %), und bei 50/63 mit Placebo (79 %). Als häufigste UE mit Mitapivat wurden Kopfschmerzen dokumentiert (29/129 [22 %] vs. 6/63 mit Placebo [10 %]), initial Schlafstörungen (18 [14 %] vs. 3 [5 %]), Übelkeit (15 [12 %] vs. 5 [8 %]) und Infektionen der oberen Atemwege (14 [11 %] vs. 4 [6 %]). (sf)
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