Niedrige Knochendichte bei funktioneller hypothalamischer Amenorrhö – was hilft?

Frauen mit funktioneller hypothalamischer Amenorrhö leiden häufig auch unter einer zu niedrigen Knochendichte. Symbolbild: Fay Melronna/stock.adobe.com

Leiden Frauen an einer funktionellen hypothalamischen Amenorrhö (FHA), kann das ihre Knochendichte negativ beeinflussen. Neue Ergebnisse zeigen, dass eine transdermale Hormonersatztherapie (HRT) helfen kann – im Gegensatz zur Antibabypille.

Bleibt die Menstruation aufgrund von Magersucht oder exzessivem Sport aus, spricht man von einer funktionellen hypothalamischen Amenorrhö (FHA). Der daraus resultierende Östrogenmangel kann zu negativen körperlichen Veränderungen führen, insbesondere hinsichtlich der Knochendichte.

Eine Metaanalyse des Imperial College London hat nun ergeben, dass eine transdermale Hormonersatztherapie (HRT) bei Betroffenen am besten gegen eine zu niedrige Knochendichte wirkt. Orale HRT oder die kombinierte Antibabypille scheinen hingegen keinen signifikanten Nutzen zu haben. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“ veröffentlicht.

Lebensstiländerungen bleiben meist erfolglos

Etwa die Hälfte der betroffenen Frauen mit FHA leidet unter einer niedrigen Knochendichte, im Vergleich zu nur etwa einem Prozent der gesunden Frauen. Das Risiko für Knochenbrüche ist dadurch bis zu siebenmal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Wird eine FHA diagnostiziert, können zunächst bestimmte Lebensstiländerungen einschließlich psychologischer und ernährungstherapeutischer Maßnahmen vorgenommen werden. Bleiben diese Versuche erfolglos, wie häufig der Fall, so empfehlen internationale klinische Leitlinien daraufhin eine HRT mit Östrogen. Allerdings war bislang unklar, welche Form der Verabreichung am besten geeignet ist.

Das Forschungsteam analysierte deshalb alle bisherigen randomisierten klinischen Studien mit insgesamt 692 Teilnehmerinnen und untersuchte die verschiedenen verfügbaren Therapien. Im Fokus stand dabei deren Einfluss auf die Knochendichte an verschiedenen Körperstellen. Neben verschiedenen HRT-Formulierungen (oral und transdermal) untersuchten die Forschenden auch Teriparatid, das zur Behandlung schwerer Osteoporose eingesetzt werden kann.

Hormonersatztherapie: transdermal hilft, oral nicht

Den Ergebnissen zufolge zeigten eine transdermale HRT und Teriparatid klinisch signifikante Vorteile hinsichtlich der Knochendichte. Die berichteten Zunahmen lagen typischerweise zwischen zwei und 13 Prozent über einen Zeitraum von 1–2 Jahren, abhängig von den Patientinneneigenschaften, der gewählten Behandlungsmethode und der Körperregion. Für eine orale HRT oder die kombinierte Antibabypille wurde hingegen kein signifikanter Nutzen beobachtet.

Die Studie hat unmittelbare Auswirkungen auf die klinische Versorgung. Denn eine kürzlich durchgeführte Überprüfung in Großbritannien ergab, dass etwa einem Viertel der Frauen mit Anorexie bedingter FHA die Antibabypille zur Behandlung von Knochenschwund verschrieben wird. Die aktuelle Studie legt jedoch nahe, dass diese Behandlung suboptimal ist und durch wirksamere Alternativen wie die transdermale HRT ersetzt werden sollte.

Dr. Agathoklis Efthymiadis, Erstautor und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Imperial College London, erklärt: „Unsere Studie liefert fundierte Daten zur Verbesserung der Behandlung dieser Erkrankung und zur Weiterentwicklung von Behandlungsleitlinien. Angesichts der derzeit uneinheitlichen Versorgung von Frauen mit Amenorrhoe glauben wir, dass diese Studie nicht nur für Allgemeinmediziner, sondern für ein breites Spektrum an Fachärzten – von Gynäkologen über Rheumatologen bis hin zu Endokrinologen – von Interesse sein wird. Unser Ziel ist einfach: Frauen sollen schneller die richtige Behandlung erhalten und ihre Knochengesundheit langfristig schützen.“

(mkl/BIERMANN)