Niedriges Geburtsgewicht trotz Termingeburt erhöht das Risiko für ADHS und Co.

Schon ein leicht zu niedriges Geburtsgewicht stellt einen Risikofaktor für spätere psychische Probleme dar. (Foto: © PixieMe – stock.adobe.com)

Ein geringes Geburtsgewicht (LBW) wird mit einem erhöhten Risiko für neurologische, Aufmerksamkeits- oder kognitive Symptome bei Kindern in Zusammenhang gebracht. Allerdings handelt es sich dabei meist um Frühgeburten. Eine taiwanesische Studie zeigt nun, dass auch termingerecht geborene Kinder mit einem leicht zu niedrigen Geburts­gewicht ein erhöhtes Risiko für eine spätere psychiatrische Diagnose haben.

Die landesweite retrospektive Kohortenstudie, für die Versicherungsdaten von 2008–2018 analysiert wurden, umfasste 53.276 reif geborene Kinder mit einem Geburtsgewicht von 2000–2500 Gramm (Marginally low birth weight, MLBW) und 1.323.930 reif geborene Kinder ohne MLBW (Geburtsgewicht ≥2500 g), die mittels Propensity Score Matching verglichen wurden. Demografische Parameter und perinatale Komorbiditäten flossen als potenzielle Stör­faktoren in die statistische Analyse ein. Insgesamt wurden die Inzidenzraten und HR von 11 psychiatrischen klinischen Diagnosen ausgewertet.

Nach einem Propensity-Score-Matching für demografische Variablen und perinatale Komorbiditäten stellten die Autoren fest, dass MLBW-Kinder (n=50.060) ein signifikant höheres Risiko für eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (HR 1,26; 95 %-KI 1,20–1,33), eine Autismus-Spektrum-Störung (HR 1,26; 95 %-KI 1,14–1,4), eine Verhaltensstörung (HR 1,25; 95 %-KI 1,03–1,51), eine emotionale Störung (HR 1,13; 95 %-KI 1,02–1,26) oder spezifische Entwicklungsverzögerungen (HR 1,38; 95 %-KI 1,33–1,43) hatten als Termingeborene ohne MLBW (n=50.060).

Dies zeige, dass auch bei termingeborenen Kindern mit MLBW möglicherweise mehr Aufmerksamkeit für Fragen der psychischen Gesundheit und der neurologischen Entwicklung erforderlich ist, erklärten die Autoren. (ej)