Nierenfibrose: Im Darm produziertes Peptid kann den Krankheitsverlauf verstärken

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Das von Bakterien im Darm produzierte Molekül Corisin kann in die Nieren gelangen und dort eine Kettenreaktion aus Entzündungen, Vernarbungen und Fibrose auslösen. Das hat ein internationales Forscherteam festgestellt.

Bisherige Studien hätten gezeigt, dass Corisin – ein Peptid, das von Staphylococcus-Bakterien im Darm produziert wird – Zellen schädigen und Gewebevernarbungen sowie Fibrosen in anderen Organen verschlimmern kann, erklären die Autoren der der University of Illinois Urbana-Champaign, USA, und der Mie University, Japan. Daher vermuteten sie, dass Corisin ein versteckter Auslöser von Nierenfibrose sein könnte. Ihre neuen Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

Antikörper reduziert Alterung und Vernarbung

Die Forscher untersuchten zunächst Blut und Urin von Patienten mit diabetischer Nierenkrankheit. Sie stellten fest, dass die Patienten deutlich mehr Corisin aufwiesen als ihre gesunden Gegenstücke und dass die Menge an Corisin im Blut mit dem Ausmaß der Nierenschädigung korrelierte. Nachdem die Forscher bei Mäusen mit Nierenfibrose dieselben Ergebnisse beobachtet hatten, verfolgten sie die Wirkung von Corisin in den Nieren der Mäuse. Sie fanden heraus, dass Corisin die Alterung der Nierenzellen beschleunigt und eine Kettenreaktion von Entzündungen über Zelltod bis hin zur Bildung von Narbengewebe auslöst, die schließlich zum Verlust der Nierenfunktion und einer Verschlimmerung der Fibrose führt.

Doch wie gelangte Corisin vom Darm in die Nieren? Die Wissenschaftler führten Computersimulationen und Laborexperimente durch, um den Weg von Corisin vom Darm in den Blutkreislauf zu verfolgen. Sie fanden heraus, dass Corisin an Albumin binden und auf diesem durch den Blutkreislauf wandern kann. In den Nieren löst sich Corisin vom Albumin und greift die empfindlichen Strukturen an, die Blut und Urin filtern.

Um die Beobachtung zu bestätigen, dass Corisin die Hauptursache für die Nierenschäden war, verabreichten die Forscher den Mäusen Antikörper gegen Corisin. Sie stellten fest, dass sich die Geschwindigkeit der Nierenschädigung drastisch verringerte. „Als wir die Mäuse mit einem Antikörper behandelten, der Corisin neutralisiert, verlangsamte dies die Alterung der Nierenzellen und reduzierte die Nierenvernarbung deutlich“, berichtet Prof. Esteban Gabazza von der Mie University, Japan.

„Unsere neuen Erkenntnisse legen nahe, dass Corisin tatsächlich ein versteckter Übeltäter hinter fortschreitenden Nierenschäden bei Diabetes ist und dass seine Blockierung eine neue Möglichkeit bieten könnte, die Nierengesundheit von Patienten zu schützen“, erklärt Co-Studienleiter Prof. Isaac Cann vom University College Illinois, USA.

Weitere Studien geplant

„Unsere Arbeit legt nahe, dass die Blockierung von Corisin, entweder durch Antikörper oder andere zielgerichtete Therapien, die Nierenvernarbung bei Diabetes verlangsamen oder verhindern und so die Lebensqualität der Patienten verbessern könnte“, sagt Cann. „Obwohl ein solcher Antikörper derzeit nicht für den Einsatz beim Menschen zugelassen ist, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass er zu einer neuen Behandlungsmethode entwickelt werden könnte“, fügt Gabazza hinzu.

Als nächstes planen die Forscher nach eigenen Angaben, Anticorisin-Behandlungen an fortgeschritteneren Tiermodellen wie Schweinen zu testen, um zu untersuchen, wie sie für die sichere Anwendung beim Menschen angepasst werden können.

(ri/BIERMANN)