Nierentransplantation: Innovative Methode zur Organkonservierung könnte zu besseren Ergebnissen führen

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Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) hat nach eigenen Angaben als erste Klinik in der Bundesrepublik zwei Nierentransplantationen unter Einsatz der maschinellen Perfusion erfolgreich durchgeführt.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Organkonservierung beim Transport, bei der Organe nach der Entnahme gekühlt gelagert werden, werden sie bei dieser Methode kontinuierlich mit einer speziellen Konservierungslösung durchspült. Dadurch bleiben sie besser mit Nährstoffen und – je nach Verfahren – auch mit Sauerstoff versorgt. Ziel ist es, Schäden durch die fehlende Durchblutung während des Transports sowie Reperfusionsschäden zu verringern. Diese können entstehen, wenn Organe nach der Transplantation schlagartig wieder durchblutet werden, heißt es in der Pressemitteilung des UKL.

„Maschinelle Perfusion stellt einen bedeutenden wissenschaftlichen und klinischen Fortschritt in der Organerhaltung dar. Dies zeigt beispielsweise eine europaweite Studie, die erst kürzlich im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde und bei der das Team aus Leipzig unter Leitung von Prof. Daniel Seehofer ebenfalls mitgewirkt hat (doi: 10.1056/NEJMc2406608). Sie ermöglicht einen deutlich schonenderen Transport, eine Verringerung der Schäden am Transplantat sowie die funktionelle Beurteilung des Organs unmittelbar vor der Transplantation, was zur erhöhten Patientensicherheit und Zuverlässigkeit bei der Nierentransplantation beiträgt“, erklärt Prof. Hans-Michael Tautenhahn vom UKL.

Richtlinie der Bundesärztekammer in Kraft

Die beiden Transplantationen am Universitätsklinikum Leipzig, die zwei spezialisierte Teams unter der Leitung von Tautenhahn und Seehofer durchgeführten, betrafen zwei Nieren eines über 70-jährigen Spenders, bei dem zuvor der Hirntod festgestellt worden war. Empfänger sind eine Frau und ein Mann.

„Es freut uns, dass die Richtlinie der Bundesärztekammer unmittelbar vor dieser Transplantation in Kraft getreten ist. Da der Spender unter die Spenderkriterien der neuen Richtlinie fiel, ergab sich für uns die Möglichkeit, bereits im Rahmen dieser Organspende die maschinelle Perfusion einzusetzen“, erläutert Tautenhahn. Diese erweiterten Spenderkriterien betreffen Nieren von Personen über 60 Jahren sowie von 50- bis 59-Jährigen mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, eingeschränkter Nierenfunktion oder bei Todesursache Schlaganfall.

„Die Funktionen der beiden transplantierten Nieren entwickeln sich sowohl bei der Empfängerin als auch dem Empfänger erfreulich gut“, berichtet Dr. Jan Kowald vom UKL.

Der Ärztliche Leiter der Transplantationskoordination fügt hinzu: „Da weiterhin zu wenige Spenderorgane zur Verfügung stehen, müssen die Patientinnen und Patienten auf der Warteliste kritisch lange auf eine Transplantation warten. Gleichzeitig nehmen das Alter und das Ausmaß an Vorerkrankungen der Spenderinnen und Spender zu. Für uns als Transplantationszentrum bedeutet dies, die vorhandenen Organe besonders sorgfältig auszuwählen und effizient zu nutzen. Wir hoffen, dass die Evaluation der praktischen Anwendung des seit 19. Januar in Deutschland eingesetzten Verfahrens tatsächlich eine langfristige Verbesserung der Organfunktionen zeigen wird.“

Einsatz bereits bei Leber und Herz

Maschinelle Perfusion wird international bereits seit Jahren auch bei anderen Organen wie Leber und Herz eingesetzt, informiert das UKL. Studien würden zeigen, dass dadurch längere Transportzeiten möglich werden und mehr Organe für eine Transplantation in Betracht gezogen werden könnten. Darüber hinaus eröffne die Technik Perspektiven, Organe während der Perfusion gezielt zu untersuchen und künftig möglicherweise sogar therapeutisch zu verbessern.

Dieser Ansatz wird derzeit auch in Leipzig intensiv erforscht, teilt das UKL mit. Die für die maschinelle Perfusion der Nieren erforderlichen Geräte und Materialien würden allen dafür in Frage kommenden Kliniken durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation zur Verfügung gestellt. Die Stiftung organisiere neben der Organspende auch den Transport der Organe in ganz Europa.