Nierentransplantation: Kürzere Anastomosen- und Wiedererwärmungszeit beim Roboterverfahren

Gespendete Niere zur Transplantation. Foto: horizont21 – stock.adobe.com

Welches Verfahren ist besser für die Verpflanzung einer postmortal gespendeten Niere: die roboterassistierte oder die offene Nierentransplantation (RAKT bzw. OKT)? Die nach Angaben der Autoren größte Vergleichsstudie zu diesem Thema ergibt Vorteile für das robotische Verfahren.

Es handelt sich um eine multizentrische, retrospektive Kohortenstudie mit 676 Patienten, die im Zeitraum 2015–2023 in einer von sieben europäischen Universitätskliniken eine RAKT oder OKT erhielten. Die Heterogenität der Patienten zu Studienbeginn wurde mittels 2:1-Nearest-Neighbor-Propensity-Score-Matching ausgeglichen.

Die Autoren erfassten intra- und postoperative Komplikationen gemäß der Clavien-Dindo-Klassifikation. Sie nutzten Kaplan-Meier-Schätzungen und den Log-Rank-Test, um das dialysefreie Überleben (DFS), das Transplantatüberleben (GS), das reinterventionsfreie Überleben (RFS) und das Gesamtüberleben (OS) in Abhängigkeit vom angewandten Verfahren zu vergleichen.

Luca Afferi von der Universitat Autònoma de Barcelona (Katalonien, Spanien) und Kollegen bildeten nach dem Propensity-Score-Matching 2 Kohorten mit ­vergleichbaren Ausgangscharakteristika: 72 Transplantempfänger (65%) waren per OKT operiert worden und 37 (35%) per RAKT. Die Transplantation war in der rechten Fossa iliaca bei 59 (82%) OKT- bzw. 28 (76%) RAKT-Patienten erfolgt.

Auch weniger intraoperative Komplikationen

Die RAKT war mit einer kürzeren Wiedererwärmungszeit (53 vs. 39 min), einer kürzeren Gesamt­anastomosenzeit (55 vs. 36 min) sowie einer kürzeren arteriellen (25 vs. 17 min) und venösen (28 vs. 18 min) Anastomosenzeit assoziiert (jeweils p<0,001). Die OKT kam hingegen mit einer kürzeren Operationszeit aus (180 vs. 200 min; p=0,01).

Intraoperative Komplikationen traten bei OKT-Empfängern häufiger auf (8,3% vs. 2,7%; p=0,4). Im Verlauf des Follow-up wurden keine Unterschiede hinsichtlich postoperativer Komplikationen, DFS, GS, RFS oder OS beobachtet.

Die Studie bestätigt nach Ansicht von Afferi und Kollegen die Sicherheit der RAKT bei postmortalen Spendern und unterstreicht deren Überlegenheit bei ausgewählten Patienten hinsichtlich des schnelleren Erreichens der Gefäßanastomose und der kürzeren Wieder­erwärmungszeit.

(ms)