Nierentransplantation: Zellen des Nierentubulus können auf mögliche Abstoßung hinweisen28. Januar 2026 Prof. Christian Hinze (rechts) und Prof. Kai Schmidt-Ott diskutieren Ergebnisse räumlicher Genexpressionsanalysen einer transplantierten Niere, die Anzeichen einer Abstoßung zeigt. Copyright: Karin Kaiser / MHH Nephrologen der Medizinische Hochschule Hannover (MHH) haben Zellen gefunden, die nach Abstoßung Auskunft über die Funktion des Nierentransplantats geben. Forscher um Prof. Christian Hinze, Oberarzt in der MHH-Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat neue Erkenntnisse für die Behandlung von Nierentransplantierten gewonnen. Sie entdeckten Eigenschaften von Nierenzellen, die nach Abstoßung Hinweise geben, wie gut sich ein Transplantat langfristig erholt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. „Das Transplantat selbst entwickelt eine Art molekulares Gedächtnis an die Abstoßung“, kommentiert Hinze die Ergebnisse. „Die von uns identifizierten spezifischen Zellzustände können uns verraten, wie gut sich die Niere tatsächlich erholt. Das macht sie zu vielversprechenden Kandidaten für zukünftige diagnostische Werkzeuge“, fügt er hinzu. Zellen des Nierentubulus im Fokus Die akute Abstoßung bleibt eine der Hauptursachen für das Versagen von Nierentransplantaten, obwohl sie behandelbar ist. Hinzes Forschungsteam untersuchte gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der Charité Berlin und dem Alberta Transplant Applied Genomics Centre (Kanada), wie sich das Gewebe einer transplantierten Niere während und nach einer solchen T-Zell-vermittelten Abstoßung verändert. Die Forschenden kombinierten in ihrer Arbeit Daten aus experimentellen Modellen, Einzelzellanalysen, räumlicher Genexpression und umfangreichen Biopsie-Sammlungen. So entstand ein umfassendes Bild davon, wie die tubulären Zellzustände entstehen, im Gewebe verteilt sind und welche Bedeutung sie für den langfristigen Verlauf haben. Dabei zeigten sie, dass nicht nur die Immunzellen eine Rolle spielen, sondern vor allem die Reaktion der Zellen des Nierentubulus. Die Zellen des feinen Röhrensystems sind für zentrale Transportprozesse verantwortlich und reagieren auf eine Abstoßung mit auffälligen Stress- und Reparaturmustern. „Einige dieser Zellzustände unterscheiden sich klar von gesunden Zellen“, erklärt Professor Hinze. „Sie verschwinden teilweise selbst nach erfolgreicher Behandlung der Abstoßung nicht und treten besonders dann auf, wenn das Transplantat später ein hohes Risiko hat zu versagen.“ Bessere Risiko-Einschätzung möglich In großen Patientenkohorten zeigte sich, dass ein hoher Anteil solcher Zellen in der Biopsie ein Warnsignal sein kann – ein Hinweis darauf, dass das Transplantat in den kommenden Jahren gefährdet ist. „Für Ärztinnen und Ärzte eröffnet das eine neue Möglichkeit, Risiken nach einer Abstoßung genauer einzuschätzen und die Nachsorge individueller zu planen“, erklärt Co-Autor Prof. Kai Schmidt-Ott von der MHH. Und weiter: „Die Forschungsergebnisse könnten uns helfen, die nierentransplantierten Patientinnen und Patienten zu identifizieren, die eine Therapieänderung oder besonders engmaschige Überwachung benötigen. Und vielleicht – das müssen zukünftige Studien zeigen – lassen sich die neu gefundenen zellulären Programme irgendwann sogar therapeutisch beeinflussen.“
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