NIH startet klinische Studie mit mRNA-Impfstoff gegen das Nipah-Virus

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Das US-amerikanische National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), das zu den National Institutes of Health (NIH) gehört, hat eine klinische Studie im Frühstadium gestartet, in der ein Impfstoff zur Vorbeugung einer Infektion mit dem Nipah-Virus untersucht wird.

Dies gab das NIAID am Montag bekannt. Der experimentelle mRNA-Impfstoff wird von Moderna hergestellt und wurde in Zusammenarbeit mit dem Vaccine Research Center des NIAID entwickelt. Das NIAID sponsert eigenen Angaben zufolge die klinische Phase-I-Studie, die im NIH Clinical Center in Bethesda, Maryland, durchgeführt wird.

Das Nipah-Virus

Bei der Infektion mit dem Nipah-Virus handelt es sich um eine zoonotische Erkrankung. Fruchtfledermäuse sind der natürliche Wirt für das Virus. Der erste bekannte Nipah-Ausbruch ereignete sich 1998 in Malaysia und Singapur, führte zu 265 erkrankten Menschen und 105 Todesfällen und verursachte erhebliche wirtschaftliche Schäden in der dortigen Schweineindustrie. Seit 1999 kommt es jährlich zu Ausbrüchen in Asien, vor allem in Bangladesch und Indien.

Das Virus kann eine leichte bis schwere Erkrankung verursachen, die schnell von Symptomen einer Atemwegsinfektion zu einer Enzephalitis (Gehirnschwellung) und schließlich zum Koma oder zum Tod führt. Schätzungsweise 40 bis 75 Prozent der mit dem Nipah-Virus infizierten Menschen sterben. Obwohl die meisten Fälle durch Tiere übertragen werden, kann es auch zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kommen. Derzeit gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine Behandlung für die Infektion mit dem Nipah-Virus.

„Das Nipah-Virus stellt eine beträchtliche pandemische Bedrohung dar, da es relativ leicht mutiert, eine Vielzahl von Säugetieren befällt, von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und einen großen Prozentsatz der Infizierten tötet“, sagt NIAID-Direktor Anthony S. Fauci. „Der Bedarf an einem präventiven Impfstoff gegen das Nipah-Virus ist groß.“

Studiendetails

Die Studie erfolgt im Rahmen des Pandemievorsorgeplans des NIAID, der Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Dieser schafft einen Rahmen für die Untersuchung von Viren mit Pandemiepotenzial und setzt Prioritäten bei der Erforschung von Prototyp-Erregern, wie dem Nipah-Virus. Dies ist die erste klinische Studie, die seit der Veröffentlichung des Plans nach dem Prototyp-Erreger-Ansatz durchgeführt wird.

Der experimentelle mRNA-1215-Impfstoff gegen das Nipah-Virus wird in einer klinischen Dosis-Eskalationsstudie getestet, um seine Sicherheit, Verträglichkeit und Fähigkeit, eine Immunreaktion hervorzurufen, bei 40 gesunden Erwachsenen im Alter von 18 bis 60 Jahren zu untersuchen. Konkret werden vier Gruppen mit jeweils 10 Teilnehmern im Abstand von vier oder 12 Wochen zwei Dosen des Prüfimpfstoffs durch Injektion in den Schultermuskel erhalten.

Gruppe 1 (10 Teilnehmer) erhält zwei 25-Mikrogramm-Injektionen, Gruppe 2 zwei 50-Mikrogramm-Injektionen und Gruppe 3 zwei 100-Mikrogramm-Injektionen, jeweils im Abstand von vier Wochen. Die Impfstoffdosis für die vierte Gruppe von Teilnehmern wird auf der Grundlage einer Zwischenanalyse der Ergebnisse der drei vorherigen Gruppen festgelegt. Die vierte Gruppe erhält zwei Injektionen im Abstand von 12 Wochen. Die Studienteilnehmer werden während der gesamten Studie durch klinische Beobachtung und Blutentnahme zu bestimmten Zeitpunkten untersucht und von klinischem Studienpersonal bis 52 Wochen nach der letzten Impfung beobachtet.

(ah)