Nikotin-Intoxikation bei Kindern: Elektronische haben herkömmliche Zigaretten als größtes Risiko abgelöst8. April 2026 Foto: © maroke/stock.adobe.com Während die Belastung von Kindern durch Zigarettenrauch langsam aber stetig abnimmt, bergen nikotinhaltige E-Zigaretten laut US-Forschenden von Rutgers Health ein neues und größeres Risiko für diese Altersgruppe. Laut der Rutgers University in New Brunswick ist die kürzlich in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie die erste, in der Trends der Nikotinbelastung von Kindern über alle Produktarten hinweg untersucht worden sind. Wissenschaftler vom New Jersey Poison Control Center, angesiedelt an der Rutgers New Jersey Medical School, nutzten für ihre Untersuchung das National Poison Data System. In die Analyse wurden 92.000 gemeldete Nikotinvergiftungen bei Kindern im Alter von bis zu fünf Jahren aus den Jahren 2016 bis 2023 aufgenommen. Die Forschenden wollten verstehen, wie der Aufstieg neuerer Produkte – insbesondere Einweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel – die Risiken für Kleinkinder verändert hat. Enormer Anstieg von Intoxikationen durch E-Zigaretten Von 92.973 gemeldeten Nikotinexpositionen bei Kindern – davon 91,2 Prozent in der Altersgruppe bis zu zwei Jahren – waren 99,6 Prozent unbeabsichtigt. Die Exposition gegenüber herkömmlichen, brennbaren Tabakprodukten sank den Studienautoren zufolge von 9122 im Jahr 2016 auf 5204 im Jahr 2023 um 43 Prozent. Die Exposition gegenüber E-Zigaretten hingegen nahm in diesem Zeitraum von 2044 auf 7009 Fälle zu, was einem Anstieg um 242,9 Prozent entspricht. Am häufigsten (80.054 Expositionen) kam es zu einer oralen Aufnahme, allerdings stieg die Exposition durch Inhalation von 70 im Jahr 2016 auf 5292 im Jahr 2023. Dies bedeutet eine Zunahme um 7560 Prozent. Inhalationsexpositionen waren hauptsächlich mit E-Zigaretten beziehungsweise nikotinhaltigen Liquids assoziiert. Häufig waren Kinder betroffen, die den Dampf direkt aus den Geräten einatmeten. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass Kinder, die dem Dampf aus E-Zigaretten ausgesetzt waren, häufiger ärztlich betreut werden mussten als solche mit einer Exposition gegenüber Zigarettenrauch. Leichte Aktivierung von Geräten birgt große Gefahren „Dieser deutliche Anstieg der Zahl von Kindern, die diese Substanzen einatmen, zeigt uns, dass sich das Risiko verändert hat: Es geht nicht mehr nur darum, dass ein Kleinkind etwas verschluckt, das es auf dem Boden gefunden hat“, verdeutlicht Perry Rosen, Hauptautor der Studie. „Viele der jüngsten Fälle betreffen Kinder, die aktiv E-Zigaretten benutzen, nachdem sie Zugang dazu erhalten haben.“ Kleine Kinder ahmen naturgemäß das Verhalten ihrer Umgebung nach. „Wenn Kinder sehen, wie Bezugspersonen oder ältere Familienmitglieder dampfen, ahmen sie dieses Verhalten möglicherweise nach – sie führen das Gerät zum Mund und inhalieren –, ohne zu verstehen, dass sie sich damit einer schädlichen Substanz aussetzen“, sagt Diane Calello, Geschäftsführerin und medizinische Leiterin des New Jersey Poison Control Center. Anders als Zigaretten sind diese Geräte oft sofort einsatzbereit, leuchtend bunt, lassen sich leicht aktivieren und sehen eher wie Spielzeug aus als wie ein schädliches Produkt. Selbst mäßiger, regelmäßiger Konsum von E-Zigaretten – auch unter Jugendlichen – wird mit langfristigen gesundheitlichen Folgen für die sich entwickelnde Lunge in Verbindung gebracht. Zu den Gefahren gehören ein erhöhtes Risiko für Bronchitis und eine Verschlechterung von Asthma. Bei Kleinkindern wurden solche Auswirkungen bisher jedoch noch nicht beobachtet. Aktuelle Vorschriften reichen zum Schutz von Kleinkindern nicht aus Trotz der in den Jahren 2019 und 2020 in den USA verabschiedeten Bundesgesetze zur Anhebung des Mindestalters für den Erwerb solcher Produkte beziehungsweise zur Einschränkung bestimmter Aromen sei die Zahl der Nikotinvergiftungen bei Kindern weiter gestiegen, berichten die Studienautoren. Laut Calello konzentrieren sich die bestehenden Schutzmaßnahmen in den USA hauptsächlich auf die orale Aufnahme von flüssigem Nikotin, nicht aber auf die Exposition gegenüber Konsumverhalten. „Kindersichere Verpackungen verhindern zwar, dass ein Kleinkind Nikotin in flüssiger Form verschluckt, aber sie hindern ein Kind nicht daran, das Verhalten eines Erwachsenen nachzuahmen“, sagte Rosen. „Deshalb brauchen wir Sicherheitsstandards, die das Gerät selbst und nicht nur den Behälter berücksichtigen.“ „Die derzeitigen Gesetze, die sich auf kindersichere Verpackungen für Nikotinflüssigkeiten konzentrieren, reichen nicht mehr aus“, betont Calello. „Diese Studie unterstreicht die Notwendigkeit von Sicherheitsvorschriften, die sich auf die Geräte selbst beziehen. Beispielsweise sollten Hersteller verpflichtet werden, Durchflussbegrenzer oder Designs einzubauen, die es einem Kind erschweren, ein Gerät zu aktivieren.“
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