Nikotin-Prävention: Berliner Schulprojekt überzeugt im Alltag15. Mai 2026 Das Projekt „nachvorn“ bringt Nikotin-Prävention in die Schulen. (Copyright: Deutsche Herzstiftung/Bettina Ausserhofer) Aromatisierte E-Zigaretten machen den Nikotinkonsum unter Kindern und Jugendlichen wieder attraktiv – und stellen die Suchtprävention vor neue Herausforderungen. Ein an der Charité – Universitätsmedizin Berlin entwickeltes Programm zeigt nun, wie gezielte Prävention im Schulalltag funktionieren kann. In einer begleitenden Studie, die im Journal „Nature: Scientific Reports“ veröffentlicht wurde, beurteilten Kinder und Lehrkräfte das Schulprogramm als sehr positiv und als gut im Schulalltag durchführbar. „20 Jahre lang war Nikotinprävention bei Kindern und Jugendlichen eine Erfolgsgeschichte. Doch nun beobachten wir, dass die langjährigen Erfolge durch Einweg-E-Zigaretten ausgebremst werden“, macht Marina Hinßen, Erstautorin der Studie, das Problem deutlich. „Selbst Kinder, die vorher nie geraucht haben, greifen jetzt zur E-Zigarette.“Denn die süßen Aromen wie Blaubeere, Vanille oder Cola sprechen bekanntermaßen gerade Kinder an. Die gesundheitlichen Folgen des so kaschierten Nikotinkonsums sind gravierend. Und trotzdem: Viele Kinder wissen schlicht nicht um die bereits bekannten Risiken und Schäden durch E-Zigaretten und Nikotinabhängigkeit. „In unseren Gesprächen mit 10- bis 13-Jährigen wurde klar: Vaping ist für sie allgegenwärtig – aber die Risiken sind oft unbekannt“, betont Hinßen. Die Studie zeigt: Prävention muss früher ansetzen als gedacht – spätestens ab der fünften Klasse, das heißt, im Alter von zehn Jahren. Gleichzeitig fehlt es aber vielen Schulen an Ressourcen und Zeit, um eigene Präventionsarbeit zu leisten, wie aus einer Mitteilung der Charité hervorgeht. Gemeinsam lernen, „Nein“ zu sagen Hier setzt das Schulprogramm „nachvorn“ an, das das Forschungsteam der Charité gemeinsam mit Schülern, Lehrkräften sowie Experten aus Gesundheitswesen, Psychologie und Pädagogik mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Herzstiftung entwickelt hat. Es zielt darauf ab, Kinder schon zu erreichen, bevor sie zu Nikotinprodukten greifen. Drei interaktive Workshops bilden das Herzstück des Programms. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Aufklärung über gesundheitliche Risiken, sondern auch die Stärkung von Lebenskompetenzen zu Stressbewältigung, kritischem Denken und Widerstandsfähigkeit gegen Gruppendruck. Praktische Übungen, etwa Experimente und Rollenspiele, in denen die Kinder lernen, „Nein“ zu sagen, machen die Inhalte erlebbar. Gut umsetzbare Präventionsprogramme für jede Schule Wie die wissenschaftliche Auswertung des Programms zeigt, ist die Resonanz durchweg positiv. Sowohl Lehrkräften als auch Schülern gefällt es gut, und sie würden es anderen Schulen weiterempfehlen. Die Studie zeigte deutlich, dass das Programm praktisch umsetzbar und für den Schulalltag an verschiedenen Schulformen geeignet ist.Besonders wichtig: Die Intervention ist auch an Schulen mit begrenzten personellen oder finanziellen Mitteln durchführbar. Aktuell wird das Programm zu einer digitalen Plattform weiterentwickelt, die Schulen zwei Wege bietet: eine Variante mit einfach durchzuführenden videobasierten Modulen und eine interaktivere Variante, die Lehrkräfte stärker gestalten können. „Unser Ziel ist, dass jede Schule – unabhängig von ihren Ressourcen – Zugang zu wirksamer Prävention hat“, betont Prof. Gertraud Stadler, die die Studie und den Arbeitsbereich Geschlechterforschung in der Medizin (GiM) an der Charité leitet.Denn Präventionsbedarf gibt es an fast allen Schulen. Als die Studie 2022 aufgesetzt wurde, hatten die Forschenden noch erwartet, dass der Bedarf für Prävention insbesondere an strukturell belasteten Schulen groß ist. Dort ist Studien zufolge die Zahl der Raucher:innen unter Jugendlichen traditionell höher. Doch seit Einweg-E-Zigaretten auf dem Markt sind, hat sich das Problem ausgeweitet, über alle Schulformen und Stadtteile hinweg. Die Plattform „nachvorn“ will Nikotinprävention deshalb allen Schulen zugänglich machen, unabhängig von der Schulform oder Wohngegend. Weitere Studie zur Langzeitwirkung geplant Eine groß angelegte Cluster-Studie mit 1500 Berliner Schülern soll nun die Langzeitwirkung des Programms belegen. Es handelt sich dabei um die europaweit erste kontrollierte Studie zur E-Zigarettenprävention an Schulen. „Wir haben ein Tool entwickelt, das unmittelbar bei Kindern, Lehrkräften und Schulen ankommt“, fasst Hinßen zusammen. „Jetzt geht es darum, es flächendeckend einzusetzen und zu testen, damit wir noch mehr Kinder und Jugendliche erreichen.“Doch Aufklärung allein reicht den Forschenden nicht. Sie fordern auch strukturelle Veränderungen, von einer besseren Einhaltung des Jugendschutzes bis hin zu einem Verbot gesundheitsschädlicher Aromastoffe, die E-Zigaretten besonders attraktiv für Kinder und Jugendliche machen: „Süße Geschmacksrichtungen werfen uns in der Suchtprävention um Jahre zurück“, warnt Stadler. „Ein Verbot dieser Aromen wäre ein wichtiger Schritt, um Kinder besser zu schützen.“
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