Nikotinkonsum: Weniger Raucher, aber Erstkonsumenten sind immer jünger10. September 2026 Foto: highwaystarz/stock.adobe.com Zwar sinkt die Zahl der Raucher. Doch gleichzeitig wird in immer jüngeren Jahren erstmals zur Zigarette gegriffen, und das Vaping hat zugenommen – vor allem unter Kindern und Jugendlichen. Dieses gemischte Bild zeichneten Forschende mit drei Studien beim diesjährigen europäischen Pneumologenkongress. Über eine Untersuchung an 15.056 Österreichern im Alter von sechs bis 82 Jahren berichtete Dr. Charmaine Helk-Lim vom Ludwig Boltzmann Institut für Lungengesundheit und der Sigmund Freud Privatuniversität Wien (Österreich) beim internationalen Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Barcelona (Spanien). Die Probanden wurden über einen Zeitraum von zwölf Jahren (2012–2024) immer wieder zu ihrem Konsum von Tabakprodukten befragt. Dabei stellte sich heraus, dass der Anteil der Raucher in diesem Zeitraum von 24,2 auf 16,3 Prozent sank. Gleichzeitig stieg jedoch der Konsum alternativer Nikotinprodukte wie E-Zigaretten im selben Zeitraum stark an – von null auf 17,2 Prozent. Gleichzeitig nahm der Anteil derjenigen, die mehr als ein Tabak- oder Nikotinprodukt konsumieren (z.B. Rauchen und Vaping) von 5,2 auf 18,3 Prozent zu. Das durchschnittliche Einstiegsalter beim Rauchen sank im selben Zeitraum von 20 Jahren (bei den in den 1930er-Jahren Geborenen) auf etwa 15 Jahre (2000er-Jahrgänge). Der Anteil der Personen im Alter von weniger als 18 Jahren, die rauchen, hat sich laut der Studie fast verdoppelt (von 2,6% auf 5,0%). Entwicklung beim Rauchen ist kein Anlass zur Entwarnung Charmaine Helk-Lim (Foto: Charmaine Helk-Lim/European Respiratory Society) „Dass die Konsumzahlen beim Rauchen rückläufig sind, verschleiert ein viel größeres Nikotinproblem“, merkt Helk-Lim an. „Die Epidemie schrumpft nicht – sie verändert ihre Form und erreicht immer jüngere Kinder. Dies scheint ein globales und nicht nur ein österreichisches Phänomen zu sein. Es kann den falschen Eindruck erwecken, dass die heutige Jugend besser vor Nikotin geschützt ist als früher, obwohl viele in Wirklichkeit früher und durch andere Produkte damit in Kontakt kommen.“ Und was lässt sich dagegen tun? Helk-Lim sagt: „Wir raten Familien, mit ihren Kindern über alle Nikotinprodukte zu sprechen – einschließlich E-Zigaretten und Tabakerhitzer, nicht nur über Zigaretten – und dieses Gespräch vor dem Teenageralter zu beginnen. Unsere Daten zeigen nämlich, dass viele Jugendliche bereits mit 15 oder 16 Jahren mit dem Konsum dieser Produkte beginnen. Wer früh mit dem Tabakkonsum anfängt, hat ein höheres Risiko für eine langfristige Abhängigkeit, was den Ausstieg später im Leben erschwert.“ Immer mehr junge Menschen konsumieren Vapes, ohne vorher geraucht zu haben Die Forschungsergebnisse eines zweiten Teams unter der Leitung von Prof. Joan Hanafin vom TobaccoFree Research Institute Ireland stellte Salome Sunday in Barcelona vor. Die Wissenschaftler hatten in zwei Studien das Konsumverhalten im Hinblick auf Zigaretten und Vapes bei 5265 irischen Jugendlichen im Alter von 15 bis 16 Jahren untersucht. In der einen Arbeit beobachtete man das Rauchverhalten von 16-Jährigen zu drei Zeitpunkten: in den Jahren 2015, 2019 und 2024. Dabei zeigte sich, dass der Anteil rauchender Jugendlicher von 13,9 Prozent im Jahr 2015 auf 11,7 Prozent im Jahr 2024 gesunken ist, nachdem er 2019 einen Höchststand von 14,4 Prozent erreicht hatte. Der Anteil der Vaper aber stieg von 10,1 Prozent im Jahr 2015 auf 15,7 Prozent im Jahr 2024, nach einem Höchststand von 18,1 Prozent im Jahr 2019. Die Studie ergab außerdem, dass ein wachsender Anteil der Jugendlichen angab, mit dem Vapen begonnen zu haben, ohne vorher Zigaretten geraucht zu haben. Dieser Anteil stieg von 50,2 Prozent der Vaper (2015) auf 76,2 Prozent (2024). In einer weiteren Arbeit des Teams vom TobaccoFree Research Institute Ireland – auf dem ERS-Kongress vorgestellt von Prof. Luke Clancy – untersuchte man das Rauch- und Vaping-Verhalten von 3380 Jugendlichen. Konkret bewerteten die Wissenschaftler, wie sich das Nikotinkonsumverhalten junger Menschen im Alter zwischen 13 und 25 Jahren veränderte. Dabei zeigte sich, dass sowohl der Konsum herkömmlicher als auch von E-Zigaretten generell vom Jugend- bis zum jungen Erwachsenenalter zunahm. Mit 25 Jahren lag der Anteil derjenigen, die E-Zigaretten konsumierten, bei 38 Prozent, und der der Raucher bei 25 Prozent. Am seltensten rauchten diejenigen, die noch nie gedampft hatten. Nikotinkonsum insgesamt beobachten, nicht nur einzelne Produkte Laut Sunday veränderte sich der Nikotinkonsum junger Menschen rasant. „Obwohl das Rauchen in einigen Altersgruppen langfristig zurückgegangen ist, konsumieren junge Menschen zunehmend eine größere Bandbreite an Nikotinprodukten. Dies führt zu einem allgemeinen Anstieg des Nikotinkonsums und unterstreicht die Notwendigkeit, den gesamten Nikotinkonsum zu beobachten und nicht nur einzelne Produkte“, erklärte die Forscherin. „Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit von Präventionsstrategien und Maßnahmen zur Tabakkontrolle, die sowohl das Rauchen als auch das Dampfen berücksichtigen – insbesondere angesichts der steigenden Zahl von Jugendlichen, die Nikotin erstmals über E-Zigaretten ausprobieren. Die Verfügbarkeit neuer Nikotinprodukte wird die Verbreitung der Nikotinsucht wahrscheinlich auf dem derzeit hohen Niveau halten oder sogar noch weiter steigern.“ (ac/BIERMANN)
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