Nitrat im Trinkwasser kann zu Frühgeburten führen26. Juni 2025 Foto: © eplisterra/stock.adobe.com Eine US-Studie hat Geburtsdaten aus Iowa über einen Zeitraum von 18 Jahren zusammen mit Daten zur Wasserqualität auf Bezirksebene untersucht, um die Auswirkungen einer pränatalen Nitratbelastung zu untersuchen. Selbst niedrige Nitratwerte sind laut der neuen Studie von Jason Semprini vom Des Moines University College of Health Sciences (USA), die in der Fachzeitschrift „PLOS Water“ veröffentlicht wurde, mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und untergewichtige Babys verbunden. Nitrat ist eine natürlich vorkommende Verbindung, die zunehmend in anorganischen Düngemitteln und durch Abfluss im Grundwasser vorkommt. Beim menschlichen Verzehr können Nitrate die Sauerstofftransportfähigkeit des Blutes beeinträchtigen. Seit 1992 hat die US-Umweltschutzbehörde (EPA) einen maximalen Schadstoffgehalt für wasserbasiertes Nitrat von 10 mg/l festgelegt. Daten von über 357.000 Geburten Um mögliche reproduktive Risiken zu bewerten, analysierte Semprini 357.741 Geburtsurkunden aus Iowa aus den Jahren 1970 bis 1988 und verknüpfte jede Geburt mit Nitratmessungen auf Bezirksebene, die innerhalb von 30 Tagen nach der Empfängnis durchgeführt wurden. Während des Untersuchungszeitraums stiegen die Nitratwerte durchschnittlich um 8 Prozent pro Jahr, wobei die mittlere Belastung 4,2 mg/l betrug. Nach Berücksichtigung mütterlicher und väterlicher Merkmale sowie saisonaler Schwankungen ergab die Studie, dass eine frühe pränatale Belastung mit mehr als 0,1 mg/l Nitrat – nur 1 Prozent des aktuellen EPA-Grenzwerts – mit einem Anstieg der Frühgeburten (geschätzt = +0,66 Prozentpunkte; KI = 0,31, 1,01) und eine frühe pränatale Belastung mit mehr als 5 mg/l Nitrat mit einem erhöhten Risiko für Babys mit niedrigem Geburtsgewicht (geschätzt = +0,33 Prozentpunkte; KI = 0,03, 0,63) verbunden war. Durch die Belastung mit erhöhten Nitratwerten über 10 mg/l ergaben sich keine zusätzlichen Risiken. Der Autor weist darauf hin, dass die Daten nur einen US-Bundesstaat betreffen und nur begrenzt umfangreich sind. Neuere Daten sowie Daten aus weiteren Bundesstaaten und Quellen, wie beispielsweise privatem Brunnenwasser, könnten den Zusammenhang stärken. Kein sicherer Grenzwert „Unsere Arbeit untermauert die Evidenzbasis dafür, dass der derzeitige Grenzwert (> 10 mg/l) möglicherweise nicht ausreicht, um die Übertragung von Nitrat im Wasser während des ersten Schwangerschaftstrimesters in der Gebärmutter zu verhindern“, kommentiert Semprini. Er kommt zu dem Schluss, dass die seit 1992 unveränderten Standards möglicherweise überarbeitet werden müssen, da der Nitratgehalt im Grundwasser in den USA weiter steigt. Er fügt hinzu: „Es gibt keinen sicheren Grenzwert für die pränatale Nitratbelastung“, und führt weiter aus: „Die geschätzten Auswirkungen der pränatalen Nitratbelastung entsprechen 15 Prozent der Schäden, die durch die pränatale Belastung mit Zigaretten entstehen. Ich möchte die Bedeutung von Bemühungen zur Rauchprävention während der Schwangerschaft nicht schmälern, aber ich muss fragen: Schenken wir Nitraten 15 Prozent der Aufmerksamkeit, die wir dem Rauchen widmen?“ Semprini merkt außerdem an: „Der gesetzliche Grenzwert für Nitrate im öffentlichen Wasser berücksichtigt die pränatale Belastung nicht und wurde seit seiner Festlegung 1992 nicht aktualisiert. Wenn man die potenziellen Schäden einer niedrigeren pränatalen Nitratbelastung außer Acht lässt, schützen die aktuellen Regulierungsstandards amerikanische Mütter und Kinder nicht ausreichend.“
Mehr erfahren zu: "Wie sich das embryonale Epigenom selbst organisiert" Wie sich das embryonale Epigenom selbst organisiert Die Entwicklung eines Embryos gehört zu den fundamentalsten Prozessen der Biologie. Dabei steuern epigenetische Markierungen, welche Zellen sich zu welchen Geweben entwickeln. Forschende der LMU zeigen nun, dass hinter diesem […]
Mehr erfahren zu: "GeDIG-Referentenentwurf: Virchowbund kritisiert staatliche Eingriffe in Praxisstrukturen" GeDIG-Referentenentwurf: Virchowbund kritisiert staatliche Eingriffe in Praxisstrukturen Hauptkritik des Virchowbundes am GeDIG: Das Gesetz greife in die ärztliche Terminhoheit ein und gefährde die ärztliche Schweigepflicht. Der „einzige Lichtblick“ sei die digitale Ersteinschätzung, so Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender […]
Mehr erfahren zu: "Modellstudie zum Antiepileptikum Valproat: Einfluss auf frühe Hirnentwicklung" Modellstudie zum Antiepileptikum Valproat: Einfluss auf frühe Hirnentwicklung Das erhöhte Risiko für Entwicklungsstörungen des Gehirns bei ungeborenen Kindern durch das Antiepileptikum Valproat ist bekannt. Eine Studie mit im Labor gezüchteten Gewebemodellen des menschlichen Gehirns liefert nun neue Erkenntnisse […]